Liste trauriger Dinge: BCS, Fargo, Mikael Nykvist

Hach, ist das traurig – am Wochenende habe ich jeweils den letzten Teil der dritten Staffel von Better Call Saul und von Fargo gesehen. Und beides geht nicht gut aus, wie man sich denken kann, aber es sind jeweils dermaßen passende und genial gesetzte Schlusspunkte, dass ich meiner Begeisterung hier noch einmal Ausdruck verleihen muss. Auch wenn es Menschen geben soll, die genau diese Art Serien tot langweilig finden. Aber die haben es auch nicht anders verdient.

bsc5-10-0

Mit der Folge Laterne klärt sich endlich das Verhältnis der McGill-Brüder, wenn auch auf schlimmstmögliche Weise: Chuck gibt endlich zu, dass ihm Jimmy eigentlich total egal ist – Jimmy hat also die ganze vergeblich um die Anerkennung durch seinen großen Bruder gekämpft. Der eigentlich immer nur darauf versessen ist, zu verhindern, dass Jimmy Anwalt wird, weil er ihn charakterlich für völlig ungeeignet hält: Chuck weiß, dass Jimmy ein notorischer Lügner ist, ein begabter Trickbetrüger, ein brillanter Schwindler – und das alles ist Jimmy ja tatsächlich. Der kleine Bruder kann nur mit Betrug und unfairen Tricks besser sein als der große Bruder, das haben wir in der Staffel davor bereits gesehen. Aber Chuck übersieht bei all seinen berechtigten Vorbehalten gegen Jimmys Berufsauffassung, dass Jimmy bei trotzdem ein gutes Herz hat. Und es ist inzwischen klar, dass Chuck der verrücktere und herzlosere von beiden Brüdern ist.

Screenshot Better Call Saul: "Chuck" Charles McGill (Michael McKean)

Screenshot Better Call Saul: „Chuck“ Charles McGill (Michael McKean)

Chuck wird mit einer großzügigen Abfindung aus der von ihm mit gegründeten Kanzlei heraus komplimentiert, während sein kleiner Bruder Jimmy mit seiner Kanzlei-Gründung in so ziemlich jeder Hinsicht scheitert. Und Jimmy fühlt sich auch noch schuldig am Unfall seiner Partnerin Kim, die völlig überarbeitet am Steuer ihres Autos eingenickt ist. Und dann ist da auch noch das Dilemma mit den alten Damen, das Jimmy dann aber in Überwindung seines Egos noch erfolgreich lösen kann – denn wie gesagt, eigentlich hat er ein gutes Herz. Es tut ihm dermaßen leid, dass die von ihm übertölpelte Irene in der Seniorenresidenz wie eine Aussätzige behandelt wird, dass er seinen guten Ruf bei den anderen Ladys ruiniert, um die Sache wieder ins Reine zu bringen. Wie die Sache mit Kim und Jimmy ausgeht, ist hingegen noch immer nicht klar.

Screenshot Better Call Saul: Jimmy McGill (Bob Odenkirk)

Screenshot Better Call Saul: Jimmy McGill (Bob Odenkirk)

Immerhin wissen wir nun, warum sich Gus Frings und Hector Salamanca nicht ausstehen können, und auch warum Hector in Breaking Bad an den Rollstuhl gefesselt ist und seine Sprachfähigkeit eingebüßt hat. Und auch, dass der Verwandlung des betrügerischen, aber letztlich menschenfreundlichen Slipping Jimmy in den aalgatten Kriminellen-Anwalt Saul Goodman irgendwas mit dem überaus grausamen Ende des letzten Teils zu tun haben dürfte. Inzwischen ist eine vierte Staffel von Better Call Saul beauftragt – heute habe ich gelesen, dass Better Call Saul zwar nicht die Quoten der letzten Staffeln von Breaking Bad erreicht, aber doch unter den drei meist gesehenen Serien im US-Kabelfernsehen gehört. Immerhin muss ich sagen, denn Vince Gilligan und Peter Gould haben den doch sehr eigenen Breaking-Bad-Stil in Better Call Saul noch einmal verfeinert und quasi unter die Lupe gelegt: Ich kann nachvollziehen, dass es Serienseher gibt, die bei so etwas einfach aussteigen.

Screenshot Better Call Saul: Jimmy McGill (Bob Odenkirk) und Kim (Rhea Seehorn)

Screenshot Better Call Saul: Jimmy McGill (Bob Odenkirk) und Kim (Rhea Seehorn)

Aber das ist genau das, was mir besonderes Vergnügen bereitet – wir haben doch jetzt hochauflösende Bilder und riesige Bildschirme, also ist es doch super, wenn es akribische Bildkompositionen zu analysieren gibt. Und wir kennen bereits so viele Stereotypen aus anderen Serien, da muss man einfach mit vielschichtigen, widersprüchlichen Charakteren aufwarten, die so genervt kucken können wie Mike Ehrmantraut oder so verächtlich wie Hector Salamanca. Oder so zerknirscht wie Jimmy McGill. Mich erinnert das an die zweite Staffel der Serienhits Heimat – statt des lustig-volkstümlichen Heimattheaters der ersten Staffel (und das meine ich jetzt nich so, wie es vielleicht klingt, denn ich fand das wirklich gut) kam dann so ein manieriertes Kunstprodukt mit eigenartiger Musik zu eigenwilligen Schwarzweißbildern – aber dass die sich das getraut haben! Genau das ist es, was Kunst ausmacht. Better Call Saul ist hohe Serienkunst und wird von Staffel zu Staffel besser.

Michael Nyqvist

Und jetzt muss ich eine Gedenkminute für Michael Nyqvist einlegen – die Nachricht von seinem Tod trifft mich hart.

Meinen Eindruck von der dritten Fargo-Staffel gibt es dann beim nächsten Mal.

Advertisements

Das geduldige Raubtier

Das Ende der zweiten Staffel von Mr. Robot springt noch einmal sehr weit in die erste Staffel zurück – es beginnt mit jenem Streit zwischen Tyrell Wellick und Mr. Robot im Auto, im Hintergrund diese Achterbahn in Coney Island. Nur dass es dieses Mal Elliot ist, der mit Tyrell streitet – wir wissen ja längst, dass Mr. Robot und Elliot identisch sind. Nur dass Elliot das nicht immer klar ist, doch dazu später.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot Alderson (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot Alderson (Rami Malek)

Tyrell Wellick jedenfalls ist keine von Elliots Halluzinationen, er existiert wirklich und nimmt Elliot ins neue geheime Hauptquartier mit, das von der Dark Army eingerichtet wurde, um Stufe zwei auszuführen – Elliots Plan zur Zerstörung sämtlicher analoger Unterlagen, die von E-Corp in einem speziell dafür eingerichteten Hochsicherheitsgebäude eingelagert werden. Anhand dieser Papiere will E-Corp nämlich die während des Five-Nine-Hacks zerstörte elektronische Datenbasis rekonstruieren: Sämtliche Eigentumstitel, Bank- und Grundbuchauszüge und so weiter, also alles, das benutzt werden kann, um Eigentum den jeweiligen Eigentümern zuordnen zu können.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Elliot kann nicht fassen, dass er derjenige ist, der sich das alles ausgedacht haben soll – aber er kapiert natürlich sofort, was los ist, als Tyrell ihm die dazugehörigen Dateien zeigt: Dank des FBI-Hacks über die von der Dark Army präparierte Femtozelle hat Elliot Tyrell und der Dark Army eine Backdoor geöffnet, über die wiederum nun wertvolle Informationen über die Aktivitäten von E-Corp gewonnen werden konnten. Und Stage 2 ist ein sehr raffinierter Hack, der genau auf diesen Informationen beruht: Der Plan ist, die Batterien, die das Lagergebäude bei einem Stromausfall mit Energie versorgen sollen,zu zerstören und das dabei entstehende Gas zu entzünden: Die Explosion wäre stark genug, das ganze Gebäude komplett in die Luft zu jagen. Doch Elliot hat – wie schon bei der Idee, Steel Mountain durch eine Gasexplosion zu zerstören – Skrupel. Er will die Menschen im Gebäude nicht töten. Doch dieses Mal legt er sich nicht mit seinem Alter Ego an, sondern mit dem zu allem entschlossenen Tyrell.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot (Rami Malek) und Tyrell (Martin Wallström)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot (Rami Malek) und Tyrell (Martin Wallström)

Tyrells Frau Joanna hat dank Elliots Handy-Hack inzwischen herausgefunden, was hinter den Geschenken und den Anrufen steckt – das ist nämlich niemand anders als Scott Knowles. Er wollte sich rächen – genau an dem Tag, an dem er zum CTO von E-Corp befördert wurde, hat Tyrell seine Frau ermordet. Die auch noch schwanger war. Joanna ist von Scotts Lamento allerdings wenig beeindruckt, sie provoziert Scott mit Beleidigungen, bis er die Beherrschung verliert und sie zusammenschlägt. Aber abgesehen davon, dass Joanna auf so etwas steht, ist klar, dass sie das benutzen wird, um Scott zu zerstören. Jetzt muss sie nur noch ihren neuen Lover von ihrem Racheplan überzeugen – aber den hat sie eh in der Tasche.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Darlene (Carly Chaikin) and Dom DiPierro (Grace Gummer)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Darlene (Carly Chaikin) and Dom DiPierro (Grace Gummer)

Für Darlene läuft es deutlich schlechter.  Sie wird jetzt vom FBI verhört – durch das Gespräch mit Agent DiPierro erfahren wir, dass Cisco tatsächlich tot ist, aber Vincent überleben wird – um dann als fsociety-Mitglied und somit als Terrorist für sehr lange Zeit im Knast zu verschwinden. Insofern hat Darlene wenigstens Vincent das Leben retten können. Nun gibt sie sich sehr cool und lässt Dom auflaufen, die sämtliche Register zieht, um, Darlene zum Reden zu bringen. Doch die besteht auf ihre Rechte – aber Doms Chef macht Darlene schnell klar, dass sie als Terroristin und somit als feindliche Kämpferin gilt, und für die gelten keine Rechte.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Was das FBI schon alles weiß

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Was das FBI schon alles weiß

Das bringt Darlene natürlich erst recht nicht zum Reden – Dom überzeugt ihre Chef, dass sie etwas anderes versuchen will: Sie zeigt Darlene, was das FBI tatsächlich schon alles weiß – und das ist erschreckend viel. Dom erklärt die FBI-Strategie mit der des geduldigen Räubers – man legt sich auf die Lauer und wartet auf die richtige Gelegenheit – wie eine Python. Manche dieser Schlangen warten ein Jahr lang auf ihre Beute. (Vermutlich ist auch kein Zufall, das Python eine Programmiersprache ist.)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Darlene

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Darlene

Als mutmaßlicher Urheber des Five-Nine-Hacks steht allerdings Tyrell im Mittelpunkt der FBI-Ermittlungen – und gleich darunter ihr Bruder Elliot. Aber auch Darlene kommt in dem Schaubild vor – als Kopf von fsociety. Und nebenbei erfahren wir jetzt auch, dass Romero durch einen blöden Zufall durch eine verirrte Kugel bei einer Schießerei in der Nachbarschaft getötet wurde. Die Dark Army hatte nichts damit zu tun. Insofern besteht Hoffnung für Trenton und Mobley – und die wird auch bestätigt, wenn man die Folge bis ganz zu Ende sieht: Die beiden leben noch – wobei man sich auch fragen kann, wie lange, denn ausgerechnet Leon hat die letzten Worte der Staffel – und der gehört zur Dark Army. Aber er hat Elliot im Knast beschützt – ich denke nicht, dass er den beiden gefährlich wird.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot mit Mr. Robot und Tyrell

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot mit Mr. Robot und Tyrell

Doch zuvor versucht Elliot wie erwähnt, Tyrell von der Ausführung von Stufe 2 anzuhalten – er setzt sich an den Computer, um sein eigenes Werk zu zerstören. Doch Tyrell holt die Waffe, die Elliot ihm offenbar gegeben hat, um ihn davon abzuhalten, genau das zu tun, was er jetzt vor hat. In Staffel eins hatte Elliot als Mr. Robot auch Romero schon damit gedroht, ihn zu erschießen, falls er das Projekt sabotieren bzw. einfach nicht mehr mitmachen würde, aber nicht abgedrückt. Jetzt hat aber Tyrell die Waffe in der Hand – und Mr. Robot versucht Elliot zu überzeugen, dass er besser auf Tyrell hören und den Computer nicht anfassen solle.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell und Mr. Robot

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell und Mr. Robot

Das überzeugt Elliot wiederum, dass Tyrell und Mr. Robot ein und derselbe seien – und deshalb nimmt er an, dass beide nicht real seien: Der einzige, der wirklich anwesend und real ist, sei er selbst und es sei an der Zeit, wieder die Kontrolle zu übernehmen. Doch damit liegt Elliot falsch – Tyrell schießt ihn tatsächlich nieder. Interessant ist dann Tyrells Anruf bei Angela – sie hat offenbar erwartet, dass er sich bei ihr meldet – und sie macht sich auf den Weg, denn es sei das beste, wenn Elliot, wenn er wieder aufwacht, sie zuerst sehen würde. Klar, Elliot muss überleben, sonst ist eine dritte Staffel ziemlich witzlos, auch wenn es genügend andere interessante Figuren gibt.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Mobley (Azhar Khan) und Trenton (Sunita Mani)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Mobley (Azhar Khan) und Trenton (Sunita Mani)

Doch wie für Mr. Robot typisch hat die finale Folge wieder eine ganze Reihe Antworten gegeben, die nur wieder neue Fragen aufwerfen. Vor allem: Welche Rolle spielt Angela bei der ganzen Sache nun tatsächlich? War Whiterose wirklich dermaßen überzeugend, oder war sie von Anfang an Teil des Plans? Der Verdacht lag ja schon am Anfang der ersten Staffel nahe, als Angela das Netzwerk von Allsafe mit Ciscos CD infiziert hat. Jetzt heißt es wieder warten – und spekulieren, was wohl passiert, wenn Stage 2 ausgeführt wurde – und das wird es, so wie ich Tyrell einschätze. Doch, alles in allem bin ich mit dem Finale zufrieden. Übrigens glänzte diese Folge einmal mehr mit einer sehr guten Musikauswahl: Als Titelmusik gab es Hall of Mirrors von Kraftwerk.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Leon (Joey BadA$$)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Leon (Joey BadA$$)

zer0-day.avi: So sieht also eine Revolution aus

Nachdem USA Network die Mr-Robot-Fans eine weitere Woche auf die Folter gespannt hat, konnte ich das Staffelfinale nun endlich sehen – und die Serie bleibt sich treu: Natürlich passiert, was passieren muss, aber gleichzeitig kommt alles irgendwie anders als erwartet. In eps1.9_zer0-day.avi begegnen wir am Anfang einem alten Bekannten wieder – eben jenem Fremdgänger, der durch Elliots Intervention in der ersten Folge nicht nur seine Affäre Krista und seinen Hund Flipper, sondern wie wir jetzt erfahren, auch Frau und Kind verloren hat.

Screenshot Mr. Robot: Krista (Gloria Reuben)

Screenshot Mr. Robot: Krista (Gloria Reuben)

Hier greifen die Serien-Macher den Ashley-Madison-Hack auf, der auch explizit genannt wird. Michael oder Lenny, wie er wirklich heißt, ist einer der betroffenen Nutzer des Dating-Portals, dessen Daten geleakt wurden. Seine Frau hat daraufhin die Scheidung eingereicht hat. Lenny will sich aber nicht kampflos ergeben – er war bereits bei der Polizei und hat dort alles, was er über den Hacker Elliot Alderson weiß, zu Protokoll gegeben. Die Cyber-Einheit habe nach wochenlanger Recherche etwas gefunden, wenn auch nicht sehr viel, weil Elliot eben sehr gut in dem ist, was er da tut. Aber er war mit dem Hund beim Tierarzt – und Flippers Chip ist registriert. Hat der sonst so schlaue und vorsichtige Elliot hier tatsächlich einen Fehler gemacht?

Screenshot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek)

Jedenfalls bittet Lenny Krista, ihm dabei zu helfen, Elliot ranzukriegen. Elliot sei doch bei ihr in der Praxis gewesen und müsse irgendwas erzählt haben. Wir wissen, dass Elliot Krista sehr viel mehr erzählt hat, als sie überhaupt hören wollte – aber gegenüber ihrem untreuen Ex-Lover gibt sie nichts preis: Elliot habe ihr gar nichts über seine Hacks verraten. Und Lenny solle sie nie, nie wieder anrufen.

Elliot selbst wacht sichtlich angeschlagen zwei Tage nach Tag Null in dem schwarzen Van von Tyrell Wellick auf. Er kann sich an nichts erinnern und Tyrell Wellick ist verschwunden. Die Nachrichten werden von einem Thema beherrscht: Den Angriff von fsociety auf das Finanzsystem und die daraus resultierenden Krisen – es gibt die bekannten Bilder von Demonstrationen in Griechenland, Spanien und so weiter, dazu aber auch eine Menge Menschen, die mit Plakaten und fsociety-Masken auf den New Yorker Straßen demonstrieren. Die Kreditkartensysteme funktionieren nicht mehr, bezahlt werden kann nur noch mit Bargeld und ein Evil-Corp-Manager erschießt sich vor laufender Kamera während eines Interviews.

Screenshot Mr. Robot: James Plouffe (Richard Bekins)

Screenshot Mr. Robot: James Plouffe (Richard Bekins)

Screenshot Mr. Robot: Angela (Portia Doubleday)

Screenshot Mr. Robot: Angela (Portia Doubleday)

Screenshot Mr. Robot: James Plouffe (Richard Bekins)

Screenshot Mr. Robot: James Plouffe (Richard Bekins)

Das war eben jene Szene, die man nach dem Attentat auf die Journalisten in der vergangenen Woche nicht hatte zeigen wollen. Der Mann wurde durch die Interviewerin aufgefordert, den Menschen doch bitte die Wahrheit zu sagen – und er denkt kurz nach und sagt dann, ja, die Leute müssten sich ernsthaft Sorgen machen, er habe mit seinem Team das ganze Wochenende versucht, irgendetwas zu tun, um den Schaden durch den Angriff von fsociety in den Griff zu bekommen – aber da sei nichts zu reparieren. Alle fünf Datenzentren in den USA und das Backup-Zentrum in China seien zerstört worden und seine Zukunft sowieso: Es wurden nicht nur alle Schulden, sondern auch alle Guthaben gelöscht.

Screenshot Mr. Robot: Gideon (Michel Gill)

Screenshot Mr. Robot: Gideon (Michel Gill)

Das Pikanteste an der Sache ist aber, dass Angela offenbar auf Terry Colby gehört und den lukrativen Job bei Evil Corp angetreten hat – sie ist die neue Assistentin von eben jenem Mann, der sich vor ihren Augen erschossen hat. Evil Corp CEO Phillip Price gibt Angela Geld für neue Schuhe – denn ihre alten sind blutbespritzt. Auch für Allsafe sieht es düster aus – die Finanzchefin erklärt Gideon, dass Allsafe kaum noch Umsätze macht und die laufenden Kosten längst nicht mehr bestreiten kann, und er den Leuten besser sagen solle, dass sie sich neue Jobs suchen müssen. Eine gute Sache wäre da aber doch: Er hätte keine auch Schulden mehr.

Screenshot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek)

Währenddessen räumen Darlene, Trenton, Mobley und Romero auf, um ihre Spuren zu verwischen – sie sind sauer auf Elliot, weil er den großen Augenblick nicht mit ihnen geteilt hat und seit Tagen spurlos verschwunden ist. Immerhin: Der Hack war erfolgreich, ihre Arbeit hat sich also gelohnt. Zum Abschied laden sie zur Weltuntergangsparty in die Arcade ein – durch die vielen Menschen werden ihre Spuren kaum noch zu finden sein. Als Elliot schließlich doch auftaucht, wird seine Verwirrung noch viel größer – er kann sich einfach nicht daran erinnern, was er getan haben soll. Denn eigentlich wollte er das doch gar nicht. „I told you we shouldn’t have done this!“ sagt er zu Darlene, bevor er wieder verschwindet.

Screenshot Mr. Robot: Mr. Robot (Christian Slater)

Screenshot Mr. Robot: Mr. Robot (Christian Slater)

Er will Mr. Robot finden: Der muss doch wissen, was passiert ist. Aber wie kommt er an ihn ran? Es bleibt beim Katz-und-Maus-Spiel mit Mr. Robot – oder eben von Elliot mit Elliot: Er ist nun mal verrückt. Nur ein Verrückter will die Welt retten. Die ohnehin unrettbar ist: „We live in a kingdom of bullshit“, erklärt Mr. Robot, der sich schließlich doch herbeizwingen lässt, als Elliot drauf und dran ist, sich der Polizei zu stellen, was er im letzten Moment verhindern muss. „A kingdom you’ve lived in for far too long.“ Und deshalb solle Elliot ihm jetzt nicht erzählen, dass er nicht real sei.

Screenshot Mr. Robot:  Elliot (Aidan Liebman) Elliots Mutter (Vaishnavi Sharma)

Screenshot Mr. Robot: Elliot (Aidan Liebman) Elliots Mutter (Vaishnavi Sharma)


Elliots ganze Familie ist plötzlich da, Vater, Mutter und Klein-Elliot. Als Elliot sie anbrüllt, dass sie verschwinden sollen, denken sie gar nicht daran: Sie seien doch seinetwegen da, weil er in seinen ganzen einsamen, traurigen Nächten geweint und darum gebeten habe, dass sie ihm helfen mögen. Er könne sie nicht verlassen, und sie könnten ihn nicht verlassen, sie seien immer da, ganz tief in ihm drin. Elliot solle jetzt einfach nach Hause gehen, sich an seinen Computer setzen und sich an dem wunderschönen Gemetzel erfreuen, das sie alle zusammen angerichtet hätten.
Screenshot Mr. Robot: Whiterose (BD Wong)

Screenshot Mr. Robot: Whiterose (BD Wong)

Und wer dann beim Abspann nicht die Nerven verliert, wird noch mit einer schönen Bonusszene erfreut, in der Phillip Price in seinem noblen Anwesen auf Whiterose trifft, die sich allerdings als chinesischer Businessman verkleidet hat.

Danach kann man sich fühlen, wie Elliot aussieht, als er mit der U-Bahn nach Hause fährt: Jetzt wird es fast ein Jahr dauern, bis es wieder neue Mr-Robot-Folgen gibt.

Screenshot Mr. Robot: Ungefähr so fühle ich mich jetzt auch...

Screenshot Mr. Robot: Ungefähr so fühle ich mich jetzt auch…

Alles in allem bin ich mit der Staffel sehr zufrieden – es ist natürlich auch ein geschickter Zug den Autoren, sich im Finale nach dem großen Hack auf Elliots Psychoprobleme zu konzentrieren, anstatt sich an den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen abzuarbeiten, die durch einen dermaßen radikalen Eingriff in die Wirtschafts- und Finanzstruktur zwangsläufig in Gang gesetzt werden – und im wahren Leben frustrierenderweise eben nicht in eine Revolution münden würden, als deren Ergebnis eine wirklich bessere Gesellschaft entstünde, in der die Leute nicht mehr gezwungen werden, ihre Zeit mit einem blöden Geldjob totzuschlagen, statt sich wichtigeren und schöneren Dingen des Lebens zu widmen.

Anderseits wäre aber das genau doch noch viel interessanter: Was passiert denn nun mit einer Gesellschaft, die durch ein paar fsociety-Hacker in eine existenzielle Krise gestürzt wird? Da hätte ich in den kommenden Staffeln dann doch gerne ein paar Antworten, die nicht erschöpfend sein müssen, aber doch wenigstens etwas darüber verraten sollten, wie genau sich fsociety und ihre Schöpfer eine bessere Gesellschaft überhaupt vorstellen.

Screenshot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek)

Breaking Bad – ein würdiges Finale für Walter White

Die beste Serie der Welt ist leider nun Geschichte – aber was für eine! Was für ein Finale! Natürlich war klar, dass diese Geschichte einer Hybris nicht gut enden konnte. Walter White, der bis fast zum Schluss an seiner Ausrede festgehalten hatte, alles – die ganzen Verbrechen, die seinen Weg zum abgefeimtesten Drogenboss in ganz Südwest (USA versteht sich) begleitet haben, inklusive – nur für seine Familie getan zu haben, gibt endlich zu, dass er es für sich getan hat. Weil er es konnte. Weil er gut darin war. Weil es ihm Spaß gemacht hat. Und weil er sich dadurch noch mal so richtig lebendig gefühlt hat.

Und weil er intelligent und realistisch ist, weiß er, dass nun wirklich alles zuende geht. Am Anfang der letzten Staffel gab es noch kurz den Anschein, dass die Whites mit ihrer Lebenslüge durchkommen könnten: Gemeinsam hatten Skyler und Walt eine Story über Walts angebliche Spielsucht ersonnen und damit erklärt, woher plötzlich das viele Geld kam. Ehefrau Skyler war zwar keineswegs glücklich über die kriminellen Aktivitäten ihres Partners, stellte sich dann aber als sehr kreativ und handfest im Erschaffen einer bürgerlichen Tarnung heraus, in dem sie den ehemaligen Arbeitgeber ihres Mannes mit erheblicher krimineller Energie zum Verkauf seiner Auto-Waschanlage brachte, die nun auch als Geld-Waschanlage fungieren sollte.

Überhaupt hatte sich Skyler nach langen Kämpfen wieder auf Walt eingelassen, nachdem Walt seinen mächtigen Gegenspieler, den Drogen-Oberboss Gus Frings aus dem Weg räumen konnte und somit davon ausgegangen war, dass er nun einfach aussteigen könne. Aber das mit dem Aussteigen ist nicht so einfach, wenn man bis über beide Ohren in einem Sumpf von Verbrechen steckt und dann auch noch aus Eitelkeit Fehler macht, die aufmerksame Ermittler aus dem Familienkreis nicht ignorieren können. Die Whites hatten gerade damit angefangen, ihr neues Leben als Betreiber einer gut gehenden Waschstraße zu genießen, als Schwager Hank einen entscheidenden Hinweis entdeckt, dass Walt der legendäre Heisenberg ist, den die DEA schon so lange vergeblich sucht.

Jetzt beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Hank und Walt, die jeweils aus Rücksicht auf die Familie, zu der sie beide nun einmal gehören, nicht mit der Härte durchgreifen können oder wollen, die sie in ihren jeweiligen Jobs sonst an den Tag legen. Die grausame Pointe in diesem Duell ist, dass ausgerechnet die Nazi-Bande, mit der Walt eigentlich nichts zu tun haben will, deren einschlägige Dienste als professionelle Killer er aber immer wieder in Anspruch nimmt, den Kampf schließlich zu Walts Gunsten entscheidet, indem sie Hank und seinen Vertrauten Steve Gomez erschießen. Der Preis dafür ist allerdings hoch: Walt muss ihnen fast sein komplettes Drogenvermögen überlassen, um das eigene Leben zu retten.

Mit Hanks Tod haben aber auch die ganzen Familien-Sentimentalitäten ein Ende: Sohn Walter jun. realisiert, dass sein Vater der Mörder seines Onkels Hank sein muss (auch wenn das technisch nicht der Fall ist, wie Walter sen. vergeblich zu erklären versucht) und wendet sich angewidert von seinem Vater ab. Skyler ist nun endgültig mit ihrem Mann fertig. In einer Kurzschlussreaktion entführt Walt seine kleine Tochter Holly, weil ihm sonst niemand mehr geblieben ist, kommt aber relativ schnell wieder zur Vernunft – was soll ein todgeweihter Mann wie er mit einem kleinen Kind, das nach seiner Mama weint?

Er lässt Holly, versehen mit ihrem Namen und der Adresse ihrer Mutter, an einer Feuerwache zurück und verschwindet nach New Hampshire, wo er, mit einer neuen Identität versehen, nach Wegen sucht, seiner Familie den Rest seines Vermögens zukommen zu lassen, der ihm noch geblieben ist. Wenn ihm das nicht gelingt, wäre alles vergeblich gewesen – aber sein Sohn macht ihm noch einmal klar, dass seine Familie sein schmutziges Drogengeld nicht haben will. Auch wenn Skyler das gemeinsame Haus verliert und sich und die Kinder mehr schlecht als recht von einem Teilzeitjob in einer Taxizentrale durchbringen muss.

Schließlich bricht Walt zu einem letzten Feldzug auf. Er hat Skyler bereits mit einem Telefonanruf, in dem er indirekt die Verantwortung für sämtliche kriminellen Aktivitäten übernommen hat, entlastet. Jetzt spannt er seine ehemaligen Geschäftspartner Gretchen und Elliot Shwartz ein, um seiner Familie doch noch eine erhebliche Summe zukommen zu lassen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die beiden erfolgreichen Geschäftsleute und Wohltäter den Rest ihres Lebens in ständiger Angst verbringen werden. Dann räumt er mit der Nazibande auf und verwendet sein einst für Gus Frings vorgesehenes Rizin, um mit Lydia Rodarte-Quayle eine einflussreiche Mitwisserin aus dem Weg zu räumen. Seinen ehemaligen Partner Jesse Pinkman lässt er davon kommen, auch wenn der sich weigert, Walt die ersehnte finale Kugel zu verpassen. Der durch einen Querschläger verwundete Walt verblutet schließlich im Methlabor der Arischen Bruderschaft – ein vorhersehbarer Tod, der am Ende noch besser ist, als das allmähliche Krepieren an Krebs, das Walter andernfalls bevorgestanden hätte.