Buster’s Mal Heart: Schicksal ist ein Arschloch

Ein Film, auf den ich lange gewartet habe, ist Buster’s Mal Heart – einer von diesen „kleinen“ US-Indipendet-Filmen, die hierzulande nie ins Kino kommen, auch wenn sie auf zahlreichen Indipentent-Festivals erfolgreich gelaufen sind. Erfreulicherweise erscheint der Film jetzt auf Amazon Video und iTunes – und ich habe keine Kosten und Mühen gescheut, den Film schon einmal vorab zu sichten. Und es gleich vorweg zu nehmen: Ein Publikumsrenner wird dieser Film vermutlich nicht, dazu ist der Plot viel zu verschroben.

Aber – schlecht finde ich ihn wirklich nicht, Buster’s Mal Heart erinnert mich sehr an die eigenartigen Filme von Herbert Achternbusch – es geht um Identität, kosmische Missgeschicke, Liebe, Schicksal, Pflichterfüllung, das Elend mit der Freiheit und der Frage, wie man denn leben soll, wenn man die meiste Zeit damit beschäftigt ist, einen blöden Job machen zu müssen, weshalb man das eigentliche Leben verpasst. Daraus lässt sich schon ein sehenswerter Film stricken – und die Autorin-Regisseurin Sarah Adina Smith macht aus einem vergleichsweise schmalen Budget und wenigen Drehtagen eine ganze Menge.

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Der eine oder die andere wird sich Buster’s Mal Heart ohnehin schon allein deshalb ansehen, weil Mr. Robot mitspielt – der fleißige Rami Malek war zwar schon in einer ganzen Reihe von zum Teil durchaus bekannten Filmen als Nebendarsteller zu sehen, aber hier hat er seine erste Hauptrolle in einem Spielfilm – und er ist auch fast in allen Szenen zu sehen.

Und erstaunlich viel erinnert dann doch an Mr. Robot – der Protagonist Jonah ist nämlich zwei Männer: Zum einen ein mexikanischer Seemann, der nach einem Sturm 1000 Tage in einem winzigen Rettungsboot auf dem Meer treibt, zum anderen ein junger Familienvater, der endlose Nachtschichten in einem Hotel am Arsch der Welt – der sich in diesem Fall in Montana befindet – schiebt, um seine Familie zu ernähren. Die da sind seine junge Frau Marty (Kate Lyn Shell) und ihre niedliche kleine Tochter Roxanne (Sukha Belle Potter).

Marty und Jonah lieben sich, soviel wird klar, und Roxanne ist ein wirklich süßes kleines Kind. Die drei leben bei Martys Eltern, die es mit dem Christentum haben – keine Ahnung, welche der unzähligen Spielarten amerikanischer christlicher Sekten das ist, aber die tatkräftigen Christen haben Marty geholfen, von ihrer Drogensucht wieder loszukommen, und sie haben irgendwie auch Jonah akzeptiert, diesen Latino, den ihre Tochter angeschleppt hat. Über dessen Herkunft erfahren wir nicht viel, außer, dass er Spanisch spricht, was er auch versucht, seiner Tochter beizubringen – was die Schwiegereltern gar nicht so gut finden, das Kind soll doch lieber erstmal richtig Englisch lernen.

Und auch Jonah scheint keine astreine Vergangenheit zu haben – als sein Kollege, der die Tagschicht machen darf, Jonah fragt, wie er denn an diesen Job gekommen sei, wenn er nicht mal einen Highschool-Abschluss habe, antwortet Jonah, dass er dem Chef (der natürlich auch zu dieser christlichen Gemeinde gehört) sein Vorstrafenregister gezeigt hätte.

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Wir erfahren nicht, was Jonah verbrochen hat, aber wir sehen dabei zu, wie er sich redlich bemüht, seinen Job zu machen und gleichzeitig auch noch ein liebender Familienvater zu sein. Und er wie er daran scheitert – mechanisch wie ein Roboter erledigt er seine Arbeit, um dann völlig übermüdet zu Frau und Kind heimzukehren. Jonah träumt von einem ganz anderen Leben, er will ein Stück Land kaufen, ein Haus bauen und dort das eigentliche, richtige Leben verwirklichen, von dem er träumt. Aber Marty holt ihn auf den Boden der Tatsachen zurück: „Du weißt doch überhaupt nicht, wie man ein Haus baut!“

Und es stellt sich im Lauf der Geschichte heraus, dass Jonah auch keine Ahnung davon hat, wie man in der Natur überlebt. Was ihm sein mexikanisches Alter Ego auf See voraus hat – der überlebt, er trinkt seinen eigenen Urin und fängt Fische, auch wenn er Gott verflucht und bittet, ihn jetzt endlich sterben zu lassen, weil man so ja auf Dauer nicht leben kann. Jonah hingegen überlebt, in dem er in luxuriöse Ferienhäuser einbricht, die reiche Leute in den Bergen von Montana haben. So richtig autark ist das nicht, immerhin er genießt den vorübergehenden Luxus sichtlich. In seinem jeweiligen Quartieren dreht er alle Familienbilder auf den Kopf und telefoniert mit Sex- und Radiohotlines, um seine Botschaft zu verkünden: Das Ende der Welt ist nah – also der Welt, die wir so kennen, wie sie ist. Die zweite Inversion steht bevor, bei der sich alles auf den Kopf stellt.

Das entspricht ziemlich genau der Hysterie, die vor der Jahrtausend-Wende grassierte, Y2K, das Jahr-2000-Problem. An das kann ich mit gut erinnern, schließlich war ich damals in meinen sehr frühen Dreißigern. Ich hatte das damals nicht dermaßen ernst genommen, schließlich stamme ich aus einer Generation, die in der Hochzeit des kalten Krieges mit der Angst aufgewachsen ist, dass ihre Welt innerhalb von Minuten von einem Atomkrieg pulverisiert wird.  Davor hatten wir die ganze Zeit Angst, und das war keineswegs unrealistisch. In Deutschland lebten wir schließlich auf dem wahrscheinlichst anzunehmenden Schlachtfeld einer solchen Auseinandersetzung. Da war Y2K ein Klacks gegen. Was ja auch zutraf.

Aber das hat in Buster’s Mal Heart eher eine anekdotische Funktion. Immerhin, die Geschichte spielt in den späten 90ern, also kurz vor Y2K, und während einer dieser quälend endlosen Nachtschichten im Hotel taucht ein rätselhafter Typ (DJ Qualls) auf, der Jonah seinen Namen nicht verraten will, aber behauptet, der letzte freie Mensch der Welt zu sein. Und nebenbei ist er ein Computer-Spezialist. Und als solcher habe er Sachen gesehen – CIA, FBI, Pentagon, da läuft eine ganz, ganz üble Scheiße und die Menschen werden alle verarscht. Immer.

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Jonah saugt die Worte dieses zweifelhaften Propheten auf, sei es, weil ihm einfach sterbenslangweilig ist, sei es, weil er tatsächlich an diesen Scheiß glauben will, weil er sich ein anderes Leben und eine andere Welt wünscht, auch wenn er nicht so richtig kapiert, was eigentlich falsch läuft – Jonah beschäftigt sich mit diesem ganzen Zeug und lässt es sich einleuchten. Und er versucht weiterhin ein guter Mensch zu sein, was sein Chef irgendwann auch honoriert, in dem er Jonah zwar nicht von der ungeliebten Nachtschicht befreit, aber ihm immerhin anbietet, dass seine Frau und Tochter eine Weile in dem ohnehin nicht besonders frequentierten Hotel wohnen können, damit Jonah sie ab und zu auch mal im wachen Zustand sehen kann.

Das ist erst einmal ganz nett – für Marty und Roxanne fühlt es sich wie ein Ferienaufenthalt an und Jonah ist auch ganz happy, die drei vergnügen sich (sittsam!!!) im Hotelpool, Jonah kann zumindest theoretisch endlich Job und Familie unter einen Hut bringen – doch dann taucht dieser Fremde wieder auf. Er sieht ziemlich ramponiert aus, und der gutmütige Jonah gibt ihm unerlaubterweise eine Schlüsselkarte, obwohl der Fremde nach wie vor keine ID vorweisen will. Klar, das hätte Jonah besser nicht getan.

Okay, für diesen Spoiler würden mich meine Kinder auch schon wieder killen, aber die lesen ja meinen Blog nicht. Vermutlich. Für Jonah geht die Sache nicht gut aus, auch wenn er tapfer gegen das Unausweichliche ankämpft und versucht, später selbst als gesuchter Schwerverbrecher und Outlaw noch ein netter Mensch zu sein. Aber das ganze Universum scheint sich gegen ihn verschworen zu haben – letztlich erweist sich seine Existenz als epischer Fehler im kosmischen System: Irgendwo ist irgendetwas kolossal schief gelaufen. Aber weder der verzweifelte, aber doch zäh an seinem Leben hängende Schiffbrüchige auf dem Meer, noch der zum verrückten Buster mutierte Jonah geben auf, sie kämpfen bis zum Schluss – und am Ende gibt es zumindest für einen von ihnen eine versöhnliche Wendung.

Wer auf Filme mit ausgefeilten Plots steht, in denen am Ende immer alles erklärt wird, wird mit diesem Film vermutlich nicht glücklich. Womit ich nicht sagen will, dass dieser Film keinen ausgefeilten Plot hätte – die Geschichte an sich gefällt mir ziemlich gut, allerdings gleicht der Film einem Puzzle, dessen Teile sich der Zuschauer beim Ansehen selbst zusammensetzen muss. Liebhaber von mehrdeutigen, diffusen Geschichten werden hier viel besser bedient – wobei ich das alles gar nicht dermaßen rätselhaft finde. Es gibt eine Menge Andeutungen und Querverweise, der Film verlangt allerdings eine gewisse Aufmerksamkeit. Was mir gefällt ist, dass es keine dieser abgefuckten Hollywoodgeschichten ist, in denen mit viel Ironie und noch mehr Zynismus eine klassische Heldengeschichte auf den Kopf gestellt wird – das ist ja dieses ganze nervige Antihelden-Helden-Kino, das in den aktuellen Blockbustern abgefeiert wird.

Jonah ist einfach ein Mensch, der versucht, das Beste aus einer Situation zu machen, in die man besser nicht geraten will – die man aber doch wieder erkennt: Die allermeisten von uns müssen mit einem Job klar kommen, den sie eigentlich gar nicht machen wollen, aber machen müssen, weil auf allem, was man zum Leben braucht, ein verdammtes Preisschild klebt. Und das ist ja noch die freundliche Variante, die das Arschloch von Schicksal bereit hält – Jonahs Alter Ego auf hoher See würde wahrscheinlich nur zu gern mit Jonah und seinen Nachtschichten tauschen, wenn er nur die Gelegenheit dazu hätte.

Aber dann schlägt diese Bitch von Schicksal Jonah doch wieder dermaßen, dass vielleicht der mexikanische Seemann doch noch besser dran ist – mir fällt da spontan die Geschichte von diesem Rabbi ein, der über Land wanderte und bei einem freundlichen Bauern-Pärchen einkehrte. Die Bauersleute bewirteten ihn gut, aber am nächsten morgen lag ihre beste Kuh tot im Stall. Und als der Bauer fragte, womit er das verdient hätte, wo er doch die Regeln der Gastfreundschaft so vorbildlich eingehalten hätte, gab ihm der Rebbe die Antwort, dass eigentlich beschieden war, dass seine Frau hätte sterben sollen. Aber weil sie so gut zu dem Fremden gewesen waren, hätte es nur die Kuh getroffen. busters-mal-heart-movie-trailer-images-stills-rami-malek4

Diese Geschichte habe ich immer gehasst, genau wie das Buch Hiob und alle diese anderen üblen Geschichten aus der Bibel, in denen es darum geht, wie Gott uns Menschen prüft. Was für ein grausames, zynisches Arschloch. Das Leben ist unendlich beschissen. Aber wir haben nur dieses eine, beschissene Leben, insofern lohnt es sich daran festzuhalten und zu versuchen, auf dieser Erde das Beste draus zu machen. Auch wenn man keine Ahnung hat, wie man das anstellen soll.

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eps2.5_h4ndshake.sme: Wer macht was?!

In der aktuellen Episode eps2.5_h4ndshake.sme gibt es dieses Mal keine spannenden Hacks, dafür aber einige längst überfällige Antworten – um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Mr Robot rückt endlich damit raus, dass er Tyrell Wellick erschossen hat – weil er keine andere Wahl hatte. Tyrell sei völlig abgedreht, nachdem Mr. Robot die Scripts für den Nine-Five-Hack gestartet hatte, von wegen gottgleich und so weiter. Und als Tyrell sich über den Mord an Sharon ausgelassen hatte, hätte er auch noch über weitere Morde fantasiert – der Mann war verrückt und musste unbedingt gestoppt werden. Elliot erinnert sich jetzt auch daran und korrigiert Mr. Robot hingehend, dass er selbst Tyrell erschossen habe: Es gab einfach keine andere Möglichkeit.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Joanna Wellick (Stephanie Corneliussen)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Joanna Wellick (Stephanie Corneliussen)

Gut, das hatte ich mir ohnehin schon gedacht. Denn Elliot wusste ja, wo Darlene die Waffe versteckt hatte.

In dieser Folge wird aber eine noch erschütterndere Wahrheit über Elliot ans Tageslicht kommen. Doch die interessanteste Entwicklung gibt es meiner Ansicht nach bei Angela – Angela beweist gegenüber Agent DiPierro jetzt doch eine bewundernswerte Nervenstärke und schafft es, eine einleuchtende Erklärung für ihren Ausflug in den 23. Stock zu finden, die bei entsprechender Überprüfung sogar wasserdicht seit wird: Dieser Agent Dingsbums hat ihr ja nun tatsächlich ein Lunch-Date abringen können. Beim Griechen, gleich um die Ecke.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Trotzdem ist Dom nicht überzeugt: Sie erklärt Angela, dass sie von ihrer Karriere total fasziniert sei: Eine Woche vor dem Five-Nine-Hack wechselt Angela von Allsafe zu E-Corp und steigt hier erstaunlich schnell in Schlüsselpositionen auf. War sie einfach nur rechten Zeit am rechten Ort? Kaum zu glauben: Ein solches Ausmaß an glücklichen Zufällen ist nun wirklich ziemlich unwahrscheinlich. Keine Frage, Dom ist davon überzeugt, dass Angela in den Five-Nine-Hack verwickelt ist. Und wir wissen ja, dass Dom damit richtig liegt, auch wenn sie vermutlich noch keinen Schimmer hat, auf welche Weise Angela tatsächlich daran beteiligt ist.

Und es stellt sich auch heraus, dass Angela auf jeden Fall noch etwas bei E-Corp vor hat – sie bittet Philip Price, sie in eine andere Abteilung zu versetzen, nämlich eine, in der sie Zugriff auf Akten über aktuelle Schadensfälle hat, die E-Corp krisenmanagementmäßig behandeln muss, Fälle wie den Giftmüllskandal in Washington Township. Aktuell geht es um einen Fall mit kontaminiertem Wasser – wird hier auf den tatsächlichen Trinkwasser-Skandal in Flint angespielt?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Darlene (Carly Chaikin)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Darlene (Carly Chaikin)

Wie auch immer – Angela bringt sich in Stellung, was etwas verwundert, denn ausgerechnet sie will nun die Washington-Township-Klage fallen lassen: Es sei doch gar nicht gesagt, dass E-Corp noch lange genug existiere, um überhaupt noch Schadensersatz zu zahlen. Angelas Vater ist entsetzt: Was ist mit seiner Tochter los? Hat sie sich nach ihrem jahrelangen Kampf um Gerechtigkeit für ihre früh verstorbene Mutter jetzt von deren Mördern kaufen lassen? Oder hat sie, wie Philip Price vermutet, ebenfalls eine geheime, kleine, dreckige Agenda? Wie jeder Mensch im Universum von Philip-Price eine hat?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Dom DiPierro (Grace Gummer)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Dom DiPierro (Grace Gummer)

Denn Price hat nun schließlich eine – was dealt er unter dem Tisch eigentlich mit Whiterose aus? Und noch viel interessanter: Worauf ist Whiterose eigentlich aus? Schwer vorstellbar, dass ein antikapitalistischer Hacker und der Sicherheitsminister einer in der kapitalistischen Konkurrenz in der Welt aufstrebenden Volksrepublik China dasselbe Ziel haben könnten. Aber wie wir wissen, handelt es sich um ein und die selbe Person – aber selbst wenn sie, wie Elliot in mehrere alternative Persönlichkeiten aufgespalten ist: Elliot und Mr. Robot unterscheiden sich nur durch die Mittel ihrer Wahl, nicht aber in ihren Zielen. Sie beide wollen die Menschen aus der Knechtschaft der Lohnarbeit, aus Schuldknechtschaft, letztlich also vom Kapitalismus befreien (auch wenn das leider so nie formuliert und ausgeführt wird, aber wenn das nicht das Ziel sein sollte, wäre alles, was Elliot und fsociety angestoßen haben, komplett sinnlos). Was dagegen die Dark Army vor hat und was Philip Price, ist viel weniger klar. Ich wäre schwer enttäuscht, wenn es das naheliegende wäre: Einfach ein gutes Geschäft zu machen. Das will jeder – aber dafür braucht es keine neue Serie, die Predigt hören wir gerade von fuckin‘ Donald Trump.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Angela (Portia Doubleday)

Aber zurück zu Angela: auf jeden Fall arbeitet sie wie wir jetzt wissen, mit Darlene und ihren Anarcho-Freunden von fsociety zusammen, auch wenn Angela Darlene klar macht, dass sie Angela die ganze Zeit unterschätzt habe. „Ihr dachtet immer, ihr wäret so viel schlauer als ich!“ Aber auch Darlene und ihre schlauen Freunde waren auf Angelas Hilfe angewiesen, um das FBI zu hacken. Angela hat nun bei Darlene etwas gut – aber umgekehrt hat ihr Elliot auch wieder den Arsch gerettet, weil er hinter dem Masterplan für den Hack steht. Hier ist wirklich nicht klar, wer wem was schuldet – aber ich finde, dass das eigentlich auch scheißegal ist – wegen E-Corp sind Angela, Darlene und Elliot in dieser Scheiße gelandet. Und so unterschiedlich sie auch agieren mögen – eigentlich haben sie doch ein gemeinsames Interesse.Und ich hoffe, dass sie sich auch darauf besinnen, wenn es drauf ankommt. Aber das ist jetzt wieder mein persönliches Interesse.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Mr. Moss (Don Sparks)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Mr. Moss (Don Sparks)

Ach ja, Joanna Wellick kommt auch wieder vor – erst wird sie nicht zu unrecht als Kapitalistenschwein beschimpft und mit roter Farbe angegriffen, dann setzt ihr neuer Lover sie unter Druck – wenn sie nicht endlich als seine Freundin mit auf seine  Geburtstagsparty heute Abend kommt, ist Schluss. Derek will sich nicht mehr als Toyboy vorführen lassen – und siehe da, Joanna kommt zwar nicht mit auf die Party, sondern überreicht ihm ihren Scheidungsantrag. Weiß sie vielleicht doch, dass Tyrell tot ist? Doch von wem kommen dann die ganzen Aufmerksamkeiten, mit denen irgendjemand weiterhin um ihre Aufmerksamkeit, um ihre Liebe buhlt? Unwahrscheinlich, dass sie von Elliot kommen. Hat vielleicht Whiterose ihre Hand im Spiel?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Zumindest hat Whiterose einen sehr langen Arm, wie sich heraus stellt, denn Elliots neuer Freund Leon entpuppt sich als sein persönlicher Beschützer, der Elliot im Auftrag von Whiterose Ärger vom Leib hält. Denn – wie immer jetzt dieses Ding mit Ray und seiner Darknet-Plattform abgelaufen ist (ich persönlich halte es für ziemlich ausgeschlossen, dass jemand eine solche Plattform unterhalten kann, ohne zu kapieren, was da eigentlich abgeht, aber wenn Ray behauptet, es Langezeit nicht gewusst zu haben) – Elliot hat echt Stress deswegen. Wie  wir wissen, deshalb sieht er ja auch so ramponiert aus. Interessanterweise sieht er das in den aktuellen kompromittierenden Szenen aber nicht – weshalb ich zu der Annahme neige, dass Elliot auch die Konfrontation mit Ray nur erfunden hat. Aber um sich damit vor was zu schützen?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Krista (Gloria Reuben)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Krista (Gloria Reuben)

Den Kniff mit seiner Therapeutin finde ich ziemlich gut: Krista sagt Elliot, dass er doch ziemlich genau wisse, wo er jetzt tatsächlich sei – er soll aufhören, so zu tun, als sei er bei seiner Mutter: Diese strikte Tagesordnung, die er am Anfang der neuen Staffel angeblich für sich selbst erfunden habe, diene nur dazu, ihm seinen tatsächlichen Alltag erträglich zu gestalten: Elliot ist im Knast. Vermutlich durch diese Ray-Aktion, von der ich noch immer gespannt bin, wie sie tatsächlich zustande kommen ist: Wo hat Elliot Ray getroffen? Vermutlich im Gefängnis. Aber wie hatten sie da Internetzugang?

Es gibt viele Gründe dafür, dass Elliot im Knast ist – spannend wird sein, wofür er tatsächlich eingefahren ist. Und auch, warum er jetzt bald wieder rauskommt – genau das legt sein Dialog mit Krista ja nahe: Er darf wieder raus, auf Bewährung. Hat er Ray ausgeliefert?

Wie auch immer: Es bleibt spannend!

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek) und Krista (Gloria Reuben)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek) und Krista (Gloria Reuben)

eps2.3_logic_b0mb.hc: Und jetzt?!?

In der fünften Folge von Mr. Robot wird es nach der anfänglichen Durststrecke, in der viel erklärt wurde, aber nicht dermaßen viel passiert ist, wieder richtig spannend: Elliot hackt das FBI – eps2.3_logic_b0mb.hc beginnt mit sehr viel Code, den Elliot produziert, während er von seinem ersten Hack erzählt. Mit elf Jahren hat er die Bibliothek von Washington Township gehackt. Nicht, um etwas anzurichten, sondern um zu sehen, wie es geht. Und um dieses Gefühl zu genießen, dass man derjenige ist, der die Kontrolle über alles hat. Ja, Elliot ist ein Kontrollfreak, genau deshalb tut er, was er tut. Inzwischen hat er so viel Wissen, Erfahrung und Übung, dass er, während er an Rays Computer die Migration einer Website auf einen anderen Server vornimmt, den FBI-Hack quasi nebenbei vorbereiten kann – er braucht dann nur noch jemand, der ein entsprechend präpariertes Gerät, das sich in eine bestimmte FBI-Femtozelle einloggt, an den richtigen Ort bringt.

Screenshot Mr Robot - Elliot (Rami Malek) is hacking

Screenshot Mr Robot – Elliot (Rami Malek) is hacking

Nach Darlenes Vorstellung wird das Angela sein – sie hat schließlich Zugang zu dem Gebäude, in dem das FBI ein temporäres Büro zur Ermittlung des E-Corp-Hacks eingerichtet hat. Doch Elliot will nicht, dass Angela in diese Sache hineingezogen wird. Er hat Angela immer beschützt und will das auch weiterhin tun. Aber Darlene macht ihren Job gut – sie erklärt Angela, dass es die einzige Chance sei, ihre und Elliots Spuren zu verwischen – schließlich waren sie beide bei Allsafe an der Vorbereitung des Five-Nine-Hacks beteiligt. „Ich hoffe, dass niemand außer dir von der CD weiß.“

Verdammt noch mal, der blöde Ollie weiß davon. Also trifft sich Angela mit Ollie – der weiterhin behauptet, Angela zu lieben und sicherheitshalber auch gleich einen Lebenslauf mitgebracht hat – Angela macht ja jetzt Karriere, vielleicht kann sie etwas für ihn tun. Als Ollie von sich aus diese Sache mit der CD zur Sprache bringt, ist Angela alarmiert und stellt fest, dass Ollie ihr Gespräch mit seinem Handy aufzeichnet. Er versucht, sich herauszureden, aber damit macht er Angela erst recht misstrauisch: Sie ist inzwischen sicher, dass er beim FBI gequatscht und sie somit keine andere Wahl hat, als Darlene und Elliot dabei zu helfen, das FBI zu hacken, um ihre Spuren zu verwischen.

Mr Robot - Elliot (Rami Malek) Bild: usanetwork.com

Mr Robot – Elliot (Rami Malek) Bild: usanetwork.com

Derweil räumt Joanna Wellick (Stefanie Corneliussen) mit unliebsamen Mitwissern auf – während sie ihr Baby liebkost lässt sie sich berichten, wie Mr. Sutherland (Jeremy Holm) den korrupten Parkplatzwächter Kareem umgebracht hat, nachdem der sich nicht mehr an die Regeln halten wollte. Warum er dem Typen dieses Mittel verabreichen sollte, will Mr Sutherland wissen. Ihm hätte es nichts ausgemacht, den Kerl auch einfach so umzubringen. Warum ihn erst lähmen? „Damit er weiß, warum er sterben musste,“ erklärt Joanna seelenruhig, „Wir lassen ihn mit einer Antwort sterben. Ansonsten wären wir ja gewissenlose Mörder.“

Derweil ist Agent DiPierro mit einer US-Delegation nach China geflogen, sie sollen dort in Sachen Five-Nine-Hack ermitteln. Whiterose tritt als Minister Zhang auf, der für die Sicherheit zuständig ist. Er lädt die Amerikaner zu einer Party in seinen eigenes Haus ein. Dom gerät auf der Suche nach einer Toilette zufällig einen Raum, in dem Zhang zahlreiche Uhren aufgestellt hat. Zhang entdeckt Dom und verwickelt sie in ein sehr persönliches Gespräch, in dem er Dom fragt, aus welchen Gründen ein ehrgeiziges Vorstadtmädchen wie sie beim FBI gelandet sei. Schließlich zeigt er ihr ein besonderes Werk revolutionärer chinesischer Kunst und dann etwas noch eigenartigeres: Eine Kollektion wertvoller historischer chinesischer Kleider, die angeblich seiner Schwester gehören.

Mr Robot -Darlene (Carly Chaikin) Bild: usanetwork.com

Mr Robot -Darlene (Carly Chaikin) Bild: usanetwork.com

Aber Dom findet natürlich heraus, das Zhang gar keine Schwester hat. Was Zhang über Dom heraus gefunden hat, ist weniger klar, aber ich bin sicher, dass es noch eine Rolle spielen wird. Schließlich fragt er sie, ob sie je darüber nachgedacht hätte, wie die Welt aussehen würde, wenn es den Five-Nine-Hack nicht geben hätte.

Im neuen Westen sucht Angela ihren alten Freund Elliot auf, der ihr weiterhin ausreden will, dass sie sich an dem Hack beteiligt. Doch Angela hat ihre Entscheidung bereits gefällt: Sie wird tun, was Darlene von ihr will. Und sie will Elliot mitteilen, dass es ihre Entscheidung ist. Angela erklärt Elliot, dass sie einfach eine Freundin sein und ihm helfen will.

Mr Robot - Angela (Portia Doubleday) Bild: usanetwork.com

Mr Robot – Angela (Portia Doubleday) Bild: usanetwork.com

Und Elliot kann wirklich Hilfe gebrauchen, aber an einer ganz andern Front. Denn, wie er mittlerweile herausgefunden hat, betreibt der nette Ray eine Art Silk Road, einen Marktplatz im Darknet, auf dem so ziemlich alles gehandelt wird, was es an illegalen Dingen gibt: Drogen, Waffen, Mädchen, Auftragskiller. Weil er Zugriff auf eine verschlüsselte Datenbank brauchte, hat er Ray dazu gebracht, dass er den ehemaligen Admin holt, damit der das Passwort eingeben kann, von Elliot zumindest behauptet, es nicht knacken zu können. Als Elliot wissen will, was mit dem offensichtlich ramponierten Mann passiert ist, will der nur, dass Elliot die Klappe hält. Aber als findige IT-ler finden die beiden eine Möglichkeit zu kommunizieren, ohne dass ihr Aufpasser etwas davon mitbekommt. OB Elliot tatsächlich nicht wisse, was das für eine Seite sei, an der er da arbeitet? Nein, aber das will Elliot jetzt natürlich wissen. Und RT logt sich auf einer unglaublich geheimen Seite mit der Endung .onion ein, und benutzt die Kennung „Dread Pirat Roberts“, das angebliche Pseudonym von Ross Ulbricht, der die echte Silk-Road-Plattform betrieben hat, wofür er zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Aber auch nach der Verhaftung von Ulbricht im Jahr 2013 tauchen immer wieder Admins auf, die sich Dread Pirat Roberts nennen.

Mr Robot ist gar nicht begeistert von Elliots Nebenprojekt, denn Elliot will Ray nun das Handwerk legen und ein paar Leben retten – Mr. Robot dagegen findet, dass er jetzt lieber mit seiner eigenen Mission fortfahren sollte, nämlich die Welt zu retten.

Natürlich hätte Elliot auf Mr. Robot hören sollen – aber jetzt ist es zu spät… ich hasse das konventionelle Modell der Serienausstrahlung. Wie soll ich denn die kommende Woche überleben?

Mr Robot - Dominique DePierro (Grace Gummer) Bild: usanetwork.com

Mr Robot – Dominique DePierro (Grace Gummer) Bild: usanetwork.com

Keine zwei Monate mehr…

… und es gibt endlich die zweite Staffel von Mr. Robot.

Der erste offizielle Trailer für die Fortsetzung ist durchaus vielversprechend – aber die von mir bereits in anderem Zusammenhang angesprochene Angst des Serienjunkies vor der zweiten Staffel erreicht jetzt neue Rekordwerte – gerade weil die erste Staffel so eingeschlagen hat, weil die Serie so frisch, unverbraucht und unerwartet gut war, kann jetzt so viel schief gehen.

Und die findigen Werbeleute und Social-Media-Experten von USA Network sind im Vorfeld ja auch schon zu Hochform aufgelaufen, in dem sie US-Präsident Obama zum vitalen Werbeträger gemacht haben, der in einem weiteren Video erklärt, dass Tyrell Wellick und fsociety in diesen fatalen Hack involviert waren, der das ganze System empfindlich getroffen hat… das war natürlich eine coole Idee.

Auch wenn ich jetzt noch mehr fürchte, dass es in den neuen Folgen vor allem um Elliots mentale Befindlichkeiten gehen wird und nicht um Systemkritik oder gar einen kühnen Entwurf, wie denn eine Gesellschaft aussehen könnte, an der Elliot – und mit ihm doch eigentlich wir alle – weniger leiden würde(n), weil die Menschen eben nicht mehr gezwungen wären, den ganzen Tag für Geld Dinge zu tun, die weder für sie, noch für andere Menschen gut sind, nur weil sie das Geld zum Überleben brauchen.

Aber wer weiß, vielleicht ist die neue Staffel doch wieder für Überraschungen gut. Und redet Mr. Robot nicht eigentlich über Apple, wenn er zu Elliot sagt, dass er sich immer nur im Kreis dreht, in der Unendlichen Schleife seines Wahnsinns? („round and round we go (…)  our infinite loop of insanity“). Das wäre doch eher ein Gag für Silicon Valley – aber der Wahnsinn hat bekanntlich viele Gesichter. Die dritte Staffel von Silicon Valley ist übrigens ziemlich gut, wo wir gerade bei dem Stichwort sind – diese Serie hat sich wirklich von Staffel zu Staffel gesteigert. Insofern besteht Hoffnung…

Dead Man Down: Europäer in New York

Beim Stöbern durch die Netflix-Highlights für den kommenden Monat entdeckte ich für den 4. Mai Dead Man Down. Der Thriller des dänischen Regisseurs Niels Arden Oplev hat bei seinem Kino-Start im Jahr 2013 zwar eher durchwachsene Kritiken bekommen, trotzdem ist Dead Man Down meiner Ansicht nach ein echter Geheimtipp. Dank Netflix wird er demnächst wohl auch nicht mehr dermaßen geheim sein.

Was mir an dem Film gefällt: Auch wenn der Film in New York spielt, komplett den USA produziert wurde und das Drehbuch von dem Kanadier J. H. Wyman kommt, fühlt er sich irgendwie skandinavisch an. Die Skandinavier sind nun mal sehr gut in düsteren Thrillern mit schonungslos brutalen Szenen – aber es gibt immer auch den Blick auf das Innenleben der Protagonisten, es geht immer um Beziehungen und darum, warum die Leute tun, was sie tun.

Screenshot: Dead Man Down - Beatrice (Noomi Rapace)

Screenshot: Dead Man Down – Beatrice (Noomi Rapace)

Wobei hier dann eher die Soziologie und nicht so sehr die Psychologie eine Rolle spielt. Gute skandinavische Krimis sind immer auch soziologische Analysen, es geht eben nicht nur um das Verbrechen und dessen Aufklärung, sondern auch um die Frage, wo die Gesellschaft versagt hat, wenn Menschen Täter oder Opfer werden.

US-Thriller gehen in der Regel vom Individuum aus, es gibt die berüchtigten Psychopathen, es gibt gebrochene Charaktere ohne Ende – aber hier geht es immer die individuelle Geschichte des jeweiligen Charakters, die als Erklärung für alles, was folgt, hergenommen wird. Schließlich bietet die glorreiche US-Gesellschaft jedem Tellerwäscher die Chance, zum Millionär aufzusteigen. Versagen tun immer nur einzelne, aber nie das System. Deshalb ist der Psycho(pathen)-Thriller ein typisch US-amerikanisches Genre.

Screenshot: Dead Man Down - Beatrice (Noomi Rapace)

Screenshot: Dead Man Down – Beatrice (Noomi Rapace)

Zurück zu Dead Man Down: Niels Arden Oplev hat Noomi Rapace mit der Verfilmung des Stieg-Larson-Bestsellers Män som hatar kvinnor (hierzulande als „Verblendung“ bekannt, was ich einen ziemlich doofen Titel finde) zum Durchbruch als inzwischen auch international anerkannte Schauspielerin verholfen. Rapace ist auch in Dead Man Down wieder mit von der Partie – gemeinsam mit Colin Farrell, der den aus Ungarn stammenden Ingenieur Victor spielt, der aber eigentlich Lazlo Kerec heißt. (Victor Lazlo, hat da etwa einer zu oft Casablanca gesehen?!) Denn Lazlo Kerec ist eigentlich tot – sein Grabstein steht auf einem New Yorker Friedhof, auf dem viele ungarische Einwanderer ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Victor arbeitet für eine kriminelle Gruppe innerhalb der New Yorker Immobilien-Mafia, deren Spezialität es ist, Mieter mit Terror und Gewalt aus ihren Wohnungen zu vertreiben, damit die entmieteten Objekte dann erst günstig auf- und dann teuer weiterverkauft werden können. Was die Sache interessant macht: Victor ist selbst ein Opfer dieser Mafia geworden, er und seine Familie wurden aus ihrer Wohnung vertrieben. Und weil die Kerecs nicht freiwillig gehen wollen, wurde Victors Tochter bei einer Schießerei durch eine verirrte Kugel getötet. Auch Victors Frau kam ums Leben – Victor selbst überlebte nur, weil die Gangster ihn für tot hielten.

Screenshot: Dead Man Down - Niels Arden Oplevs Blick auf New York

Screenshot: Dead Man Down – Niels Arden Oplevs Blick auf New York

Jetzt will er sich rächen. Doch einer der Leute aus der Gang um seinen Boss Alphonse Hoyt (Terence Howard, bekannt als Lucious Lyon aus Empire)  ist ihm auf die Schliche gekommen – er sucht Victor in seiner Wohnung in einem tristen News Yorker Wohnblock auf und stellt ihn. Victor bringt den Mann um – was seine Nachbarin im Hochhaus gegenüber zufällig mitbekommt und prompt mit ihrem Handy filmt. Mit Beatrice (Noomi Rapace) hat es das Leben ebenfalls nicht gut gemeint – die hübsche Kosmetikerin wurde bei einem Autounfall entstellt, eine Hälfte ihres Gesichtes ist nun durch Narben gezeichnet. Beatrice lebt noch bei ihrer französischen Mutter (Mama Louzon, la plus admirable Isabelle Huppert), die sehr gut kochen und backen kann. Die wiederum hofft, dass ihre geliebte Tochter trotz ihrer Narben noch einen netten Mann fürs Leben finden wird.

Auch Beatrice sinnt auf Rache – sie will den Kerl zur Verantwortung ziehen, der den Unfall verursacht hat, weil er betrunken gefahren und mit einer in ihren Augen viel zu geringen Strafe davon gekommen ist. Warum kann der Mann einfach sein Leben weiterleben wie bisher, während sie den Rest ihres Lebens mit den Folgen seiner Tat zu kämpfen haben wird?

Screenshot: Dead Man Down - Victor (Colin Farrell)

Screenshot: Dead Man Down – Victor (Colin Farrell)

Beatrice bandelt mit ihrem Nachbarn Victor an, der Beatrice tatsächlich zur Freude ihrer Mutter zum Essen ausführt. Doch das romantische Stelldichein kippt, als Beatrice Victor schließlich mit ihrer Beobachtung und dem Video auf ihrem Handy konfrontiert. Beatrice verlangt von Victor, dass er den Mann tötet, der ihr Leben ruiniert hat. Andernfalls werde sie das Video, das Victor als Mörder entlarvt, der Polizei übergeben. Natürlich ist das nicht das, was Victor erwartet hatte. Aber er willigt erstmal ein, Beatrice zu helfen – er braucht jetzt einfach keinen Stress, schon gar nicht mit der Polizei. Tatsächlich unternimmt er natürlich nichts – er hat nun wirklich andere Probleme und will sich dieses hier schnell vom Hals schaffen.

Victor hat endlich das große Ziel im Visier: Lon Gordon, den Oberboß der Immobilien-Mafia. Doch ausgerechnet bei dem Meeting von Lon mit Alphonse Hoyt, für das Victor nicht nur das nötige Scharfschützengewehr, sondern auch den idealen Standort für den tödlichen Schuss gefunden hat, wird er von einem Anruf des einzigen Freundes aus seinem Mafia-Umfeld abgelenkt. Er verpasst seine langerwartete Chance und kann nur mit der Hilfe von Beatrice entkommen, die ihn wiederum beobachtet hat und ihm nun durch ihren beherzten Einsatz ein Alibi verschafft.

Screenshot: Dead Man Down - Beatrice (Noomi Rapace)

Screenshot: Dead Man Down – Beatrice (Noomi Rapace)

Beatrice ist schwer auf Zack, sie rettet Victor nicht nur durch eine abenteuerliche Flucht in ihrem Kleinwagen, sondern gibt ihm auch noch seine Waffe wieder. Blöd nur, dass Victors einziger Freund Darcy der wahren Identität von Victor immer näher kommt. Victor hingegen fühlt sich Beatrice nun endgültig verpflichtet und tut, was sie von ihm verlangt hat – er bringt den Unfallverursacher um. Zumindest behauptet er das. Außerdem hat er vorgesorgt: Er hat den Bruder des Chefs der albanischen Mördertruppe, die an dem Überfall auf seine Familie beteiligt war, entführt und hält ihm in einem verlassenen Lagerhaus gefangen.

Victor hat ihn dazu gebracht, aussagen, dass er von Alphonse Hoyt gefangen halten würde, der ihn aber auf jeden Fall töten wird, selbst, wenn die Albaner das verlangte Lösegeld zahlen. Damit will Victor einen Streit zwischen Hoyt und den Albanern provozieren. Die Speicherkarte mit der Aufnahme übergibt Victor Beatrice, ohne ihr zu sagen, worum es geht. Sie soll den Umschlag bei der Post abgeben. Victor hat das Lagerhaus mit Sprengfallen versehen und will die Albaner töten, wenn sie versuchen, ihren Mann zu befreien.

Screenshot: Dead Man Down - Victor (Colin Farrell) und Beatrice (Noomi Rapace)

Screenshot: Dead Man Down – Victor (Colin Farrell) und Beatrice (Noomi Rapace)

Beatrice wiederum hat den Brief nicht abgegeben, sondern ihn geöffnet und statt der Speicherkarte ihren Glücksbringer hineingelegt, eine grüne Hasenpfote. Sie hat sich in Victor verliebt und will ihn retten, weil sie ahnt, was er vorhat. Aber sie will nicht, dass er selbst dabei drauf geht.

Jetzt habe ich natürlich schon wieder viel zu viel verraten, aber es kommt dann noch zu einem dramatischen Finale, das ziemlich dick aufgetragen ist, aber am Ende doch okay geht – wobei gerade der Genremix aus Milieustudie, Actionthriller, Rachefilm und Melodram bei vielen Kritikern nicht so gut angekommen ist. Mir gefällt gerade das. Und natürlich mag ich auch den Oplev-Stil – diese visuelle Coolness, mit der eigentlich total überstrapazierte Klischees wieder neu ins Bild gesetzt werden. Natürlich kann ich mir an dieser Stelle den Verweis auf die geniale Pilot-Folge von Mr. Robot nicht verkneifen, die eben auch von dieser speziellen Oplev-Optik profitiert.

Screenshot: Dead Man Down - Victor (Colin Farrell) und Beatrice (Noomi Rapace)

Screenshot: Dead Man Down – Victor (Colin Farrell) und Beatrice (Noomi Rapace)

Und mir gefallen Victor und Beatrice, beide als Einwanderer vom alten Kontinent noch nicht richtig angekommen in dieser brutalen Gesellschaft, in der Menschen für ihr Weiterkommen über notfalls eben auch Leichen gehen müssen, gebrochene Gestalten, aber trotzdem überdurchschnittlich überlebenstüchtig. Sie sind jeweils Opfer geworden, wollen sich aber mit dieser Rolle nicht abfinden und nehmen den Kampf auf, wenn auch mit fragwürdigen Zielen und Mitteln. Und dabei realisieren sie allmählich, dass es vielleicht doch noch andere Dinge als Rache gibt, für die sich ein Weiterleben lohnen könnte.

Utopia: Knallbunter Verschwörungsthriller

Der Vorrat an wirklich guten Serien ist leider beschränkt, aber ab und zu gibt es zum Glück noch etwas zu entdecken: Beispielsweise die britische Serie Utopia, die von Dennis Kelly geschrieben und von Kudos Film für Channel 4 produziert wurde.

Die Handlung der Mini-Serie rankt sich um ein mysteriöses Manuskript, welches sich am Ende tatsächlich als Schlüssel zur Erklärung der ebenso beängstigenden wie verwirrenden Ereignisse erweist, mit denen die Protagonisten konfrontiert werden. Utopia entpuppt sich schnell als rasanter Verschwörungsthriller, der am Ende gar nicht so abgedreht ist, wie er streckenweise zu sein scheint – wer Serien wie Regenesis oder Helix mag, wird von Utopia vermutlich ebenfalls begeistert sein.

Utopia - im Vordergrund Arby (Neil Maskell) - Bilder via Channel 4

Utopia – im Vordergrund Arby (Neil Maskell) – Bilder von Channel 4

Der Autor von The Utopia Experiment, der in einer psychiatrischen Anstalt verstorben ist, soll einen zweiten Teil seiner legendären Graphic Novel The Utopia Experiment verfasst haben, in dem es um eine unglaubliche Verschwörung geht. Es gibt einen Verleger, der behauptet, im Besitz dieses Manuskriptes zu sein und einem kleinen Kreis von eingefleischten Fans, die sich in einem Online-Forum austauschen, ein Treffen anbietet – AFK, in einem Pub. Zum ausgemachten Zeitpunkt erscheinen aber nur drei der fünf, nämlich die ehemalige Medizinstudentin Becky (Alexandra Roach), der IT-Spezialist Ian Johnson (Nathan Steward-Jarrett) und der paranoide Verschwörungstheoretiker Wilson Wilson (Adeel Akhtar). Vom angeblichen Besitzer des Manuskripts Bejan gibt es keine Spur, auch der elfjährige Grant (Oliver Woolford) ist nicht gekommen.

Utopia: Wilson Wilson (Adeel Akhtar)

Utopia: Wilson Wilson (Adeel Akhtar)

Grant, der herausgefunden hat, wo dieser Bejan wohnt, bricht nämlich ein, um das Manuskript zu stehlen – allerdings ist er nicht der einzige, der das versucht: Während er in Bejans Wohnung ist, muss er mitansehen, wie zwei Typen, die man schon aus dem Prolog zur Serie als durchgeknallte Killer kennt, ihn umbringen – der Kleine behält aber die Nerven und kann mit dem Manuskript knapp entkommen. Der clevere kleine Grant ist nämlich das Produkt einer gelungenen Kriminellen-Sozialisierung, bei der er schon früh lernen musste, sich allein durchzuschlagen, weil seine Mutter so ziemlich alles nicht auf die Reihe kriegt.

Utopia: Grant (Oliver Woolfort) und Jessica Hyde (Fiona O'Shaughnessy)

Utopia: Grant (Oliver Woolfort) und Jessica Hyde (Fiona O’Shaughnessy)

Dann gibt es noch Michael Dugdale (Paul Higgins), den Staatssekretär im Gesundheitsministerium, der aufgefordert wird, unter allen Umständen dafür zu sorgen, dass eine große Menge neuen Impfstoffs gegen die russische Grippe geordert wird, die gerade ausgebrochen sei und in Kürze die Volksgesundheit in Großbritannien bedrohe – Dugdale ist wegen einer persönlichen Eskapade erpressbar und sorgt deshalb tatsächlich dafür. Der darauf folgende Skandal über diese immense Verschwendung öffentlicher Gelder ist beträchtlich und der Gesundheitsminister muss seinen Hut nehmen – aber es stellt sich heraus, dass die russische Grippe tatsächlich ausbricht und Dugdale ist plötzlich ein Held – erstmal. Denn natürlich verbirgt sich noch etwas ganz anderes hinter dieser russischen Grippe-Epidemie und dem Impfstoff dagegen.

Utopia: Becky (Alexandra Roach), Ian  (Nathan Steward-Jarrett) und Wilson (Adeel Akhtar)

Utopia: Becky (Alexandra Roach), Ian (Nathan Steward-Jarrett) und Wilson (Adeel Akhtar)

Es gibt nämlich einen Pharmakonzern, der zahlreiche staatliche Stellen unterwandert hat und seine eigene Agenda verfolgt – und die hat tatsächlich mit jenem geheimnisvollen Manuskript zu tun. Genau wie auch die geheimnisvolle Jessica Hyde (Fiona O’Shaughnessy), nach der die beiden Auftragskiller suchen. Mit dem Auftauchen von Jessica Hyde nimmt die Geschichte dann so richtig Fahrt auf – aber jetzt muss ich mich zusammen nehmen und meine chronische Spoileritis in den Griff bekommen, denn Utopia macht vor allem dann richtig Spaß, wenn man nicht weiß, wo der Bus ist.

Der Plot hat es wirklich in sich – aber man kann durchaus ins Grübeln kommen, ob die Aluhut-Träger, Ufo-Seher und Chemtrail-Paranoiden der Welt nicht in manchen Dingen doch näher an der Realität sind, als einem als skeptischer Normalo lieb sein kann. Denn es ist ja nicht so, dass die Pharmaindustrie keine Krankheiten erfinden würde, weil sie den Leuten die Medizin dagegen verkaufen will.

Utopia: Michael Dugdale (Paul Higgins)

Utopia: Michael Dugdale (Paul Higgins)

Das passiert ständig – und die anderen Branchen sind nicht weniger erfindungsreich. Aber in Utopia geht es noch um etwas ganz anderes – hier soll auf verquere Weise die Welt gerettet werden. Und das wird in verstörenden Bonbonfarben auf die harte Tour erzählt. Für empfindsame Gemüter ist diese Serie definitiv nichts. Aber wer damit klar kommt, dass Gewalt angewendet wird, wo es nötig ist, auch wenn man darüber unterschiedlicher Ansicht sein kann, wann es wirklich nötig wäre, kommt auf jeden Fall auf seine Kosten. Und Verschwörungstheoretiker sowieso.

Utopia: Arby (Neil Maskell) und Jessica Hyde (Fiona O'Shaughnessy)

Utopia: Arby (Neil Maskell) und Jessica Hyde (Fiona O’Shaughnessy)

Auf jeden Fall hat Utopia eine sehr eigene Ästhetik – eben mal nicht den typischen Anthrazit-Chic der neueren britischen Krimi-Serien, hier ist alles durch zu viel Farbe verfremdet, was gleichzeitig irgendwie nostalgisch wirkt – wie eine gut gezeichnete Graphic Novel eben. Allein der Look hat mich sehr begeistert – das war ja auch ein Aspekt, der mir an Mr. Robot so gut gefallen hat. Nur dass Mr. Robot dann doch eher unterkühlen skandinavischen Farbpalette folgt, und es immer viel Raum über, neben und zwischen den Köpfen der Protagonisten gibt, während Utopia eine vollgestopfte Rumpelkammer aus detailreich ausgemalten Bildern ist, die auf britischen Flohmärkten zusammengekauft sein könnten.

Hier noch ein paar Impressionen:

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Crisis – wie weit würdest du gehen?

Eine der Serien, die man sich ansehen kann, wenn man Person oft Interest und Homeland schon durch hat, ist Crisis. Es handelt sich um einen aufwendig produzierten Verschwörungsthriller von Rand Ravich, der auch die NBC-Serie Life (mit Damian Lewis, der auch in Homeland eine Hauptrolle spielt) geschrieben hat. Es geht es um einen ungewöhnlichen Terroristen, der kein geringeres Ziel hat, als die Regierung der USA in die Knie zu zwingen. Sie soll die Existenz eines fragwürdigen und höchst illegalen Programms zugeben, bei dem Agenten der Special Forces mit einer Killerdroge zu Tötungsmaschinen gemacht werden.

Das klingt ziemlich martialisch und ist es auch – und nach all dem, was spätestens seit den Veröffentlichungen des Whistleblowers Edward Snowdon über geheime US-Programme bekannt geworden ist, wird es schwer, sich ein Drehbuch auszudenken, dass von der Realität nicht schon total überholt wurde. Wie dem auch sei, die Drehbuchschreiber denken sich weiterhin idealistische Menschen aus, die versuchen, im Falschen das Richtige zu tun. Oder umgekehrt…?

Crisis - Agent Marcus Finley (Lance Gross) Photo: NBC

Crisis – Agent Marcus Finley (Lance Gross) Photo: NBC

Der ehemalige CIA-Agent Francis Gibson (Dermont Mulroney) entführt die Kinder von den Reichen und Mächtigen in Washington während eines Schuldausflugs. Weil in diese besondere Schulklasse auch der Sohn des US-Präsidenten (Kyle Devore, Adam Scott Miller) geht, ist mit Marcus Finley (Lance Gross) auch ein Secret-Service-Agent involviert, der den Sohn des Präsidenten um jeden Preis zu beschützen hat. Und er bezahlt den Einsatz auch fast mit seinem Leben, als ausgerechnet der altgediente Kollege, der ihn für diesen Auftrag ausgewählt hat, zu erschießen versucht.

Aber der extrem idealistische Finley überlebt und versucht zusammen mit der ebenfalls total überengagierten FBI-Agentin Susie Dunn (Rachael Taylor), die entführten Schüler zu befreien. Dabei gibt es allerhand Kompetenzgerangel zwischen Secret Service und FBI, außerdem gibt es ja noch Homeland Security und die lokalen Polizeibehörden – genau so etwas macht mir in US-Serien immer sehr viel Spaß: Verfeindete Apparate mit viel Hierarchie- und Kompetenzgerangel, wie man sie sich im düstersten Stalinismus kaum schlimmer hätte ausdenken können. Aber Finley und Dunn raufen sich zusammen und stellen sich, wie kaum anders zu erwarten, als sehr durchschlagkräftiges und erfolgreiches Team heraus, auch wenn ihnen ihr Job nicht leicht gemacht wird.

Crisis - Agent Susie Dunn (Rachael Taylor) Photo: NBC

Crisis – Agent Susie Dunn (Rachael Taylor) Photo: NBC

Dazu kommt, dass Susies Nichte Amber (Halston Sage) unter den Entführungsopfern ist – sie ist persönlich betroffen, was einerseits gut, andererseits auch wieder schlecht ist. Denn Susie hat mit ihrer Schwester Meg (Gillian Anderson) schon seit Jahren keinen Kontakt mehr. Meg ist nicht weniger durchgeknallt als ihre Schwester, aber hat sie beruflich bereits weit überflügelt, Meg ist die Vorstandsvorsitzende eines großen Pharmakonzerns, die im Dienst-Hubschrauber durch die Gegend fliegt und daran gewöhnt ist, dass die Leute einfach tun, was sie sagt. Natürlich kennt sie in Washington jede und jeden und alle kennen sie – Meg wäre der klassische Door Opener für die Ermittlungen ihrer Schwester, wenn sie es denn wollte. Und natürlich will sie – es geht immerhin um ihre einzigeTochter.

Genau damit hat der Entführer gerechnet: Er erpresst die Reichen und Mächtigen mit dem Leben ihrer Kinder. Und die verzweifelten Eltern, die daran gewöhnt sind, dass die Welt sich um ihre Interessen dreht, tun so allerhand, um ihren Lieblingen einen Vorteil zu verschaffen – in diesem Fall das Weiterleben und die Freiheit. Nur für US-Präsidnet Devore (John Allen Nelson), der auf die Verfassung geschworen hat, alles – und zwar wirklich alles – für sein Land zu geben ist klar: Er wird sich nicht erpressen lassen. Er KANN sich nicht erpressen lassen. Er wird nicht mit Terroristen verhandeln.

Crisis - Meg Fitch (Gillian Anderson) Photo: NBC

Crisis – Meg Fitch (Gillian Anderson) Photo: NBC

Und das ist auch seinem Sohn klar, der seinerseits versucht, sich so heldenhaft zu verhalten, wie seine Vater das von ihm erwarten würde. Aber glücklicherweise brauchen die Entführer erst einmal die Hilfe anderer Eltern, die bereit sind, alles zu tun, um das Leben ihrer Kinder zu retten. Und sie tun eine ganze Menge, denn sie sind nah am Zentrum der Macht und haben entsprechenden Einfluss. Sie können Dinge tun, von denen andere nicht einmal träumen würden und die Erpresser spielen genau damit.

Sie haben natürlich auch damit gerechnet, dass man ihnen auf die Schliche kommen wird – allerdings sind Finley und Dunn ärgerlich effizient und kommen ihnen schneller auf die Spur, als sie erwartet hätten. Es gibt natürlich eine Menge unerwartete Wendungen – man weiß nicht mehr so genau, wer jetzt einfach nur erpressbar, wer böse und wer richtig böse ist.

Crisis - Francis Gibson (Dermont Mulroney)  Photo: NBC

Crisis – Francis Gibson (Dermont Mulroney) Photo: NBC

Das ist vermutlich genau der Fehler, den die Produzenten dieser Serien gemacht haben: Dieses Immer-noch-einen-drauf-setzen-müssen in aktuellen Action- und Thriller-Serien geht inzwischen offenbar nicht nur mir Nerven, denn die Serie wurde aufgrund schwacher Quoten nach einer Staffel eingestellt. Dabei fand ich die Idee an sich gar nicht schlecht und es sind auch eine ganze Reihe guter Darsteller an Bord. Vielleicht hätten die Crisis-Macher einfach ein paar Nummern kleiner denken und dafür ihre Figuren interessanter gestalten sollen – durchgeknallte Psychopathen, die größenwahnsinnige Taten begehen, hat man nun wirklich genug gesehen, genau wie unkaputtbare Helden, die niemals aufgeben.

Interessant sind doch die normalen Menschen, die anfangen, Dinge zu tun, die irgendwann nicht mehr normal sind – aber wo ist die Grenze? Und was passiert, wenn sie überschritten wird? Das ist es, was die einsame Größe von Serien wie Breaking Bad oder Better Call Saul ausmacht: Hier haben wir ambivalente Figuren, die sich ständig weiter entwickeln und sowohl im Guten als auch im Bösen überraschen – vor allem auch sich selbst.

Hier ist Crisis halt doch ähnlich schwach wie The Following, The Blacklist, und ja, auch die späteren Staffeln Homeland, die zwar von der Handlung her dick auftragen und in vielerlei Hinsicht übertreiben, am Ende aber nicht wirklich überraschen können. Zumindest nicht positiv.

Crisis - Beth Ann Gibson (Stevie Lynn Jones)  und Kyle Devore (Adam Scott Miller) Photo: NBC

Crisis – Beth Ann Gibson (Stevie Lynn Jones) und Kyle Devore (Adam Scott Miller) Photo: NBC