True Blood wie ich es liebe!

Versprochen ist versprochen, auch wenn es manchmal etwas länger dauert – aber derzeit ist es in Berlin bestimmt so tropisch wie in Bon Temps, Louisiana, deshalb hat es mit der Fortsetzung von True Blood ein bisschen länger gedauert. Dafür hab ich jetzt auch die 5. Folge gesehen, womit der Spaß schon wieder in der Halbzeit ist.

Aber inzwischen macht die 7. und letzte Staffel wirklich Vergnügen, auch wenn ich mir bis zum dritten Teil nicht sicher war, ob das noch kommt. Dafür wird ab der dritten Folge alles wieder gut, also blutig, lustig und sehr, sehr böse. Einige Bekannte sind allerdings auf der Strecke geblieben, nicht nur Tara, die gleich in der ersten Folge sterben musste, sondern auch Alcide wurde inzwischen erschossen – aber wie es sich für einen guten Werwolf gehört, in der Ausübung seiner edelsten Pflicht, nämlich Sookie zu beschützen. Die ist natürlich wieder entsprechend von der Rolle – schon wieder einer, der ihretwegen gestorben ist! Und ausgerechnet jetzt, wo sie sich entschieden hat, ihn zu lieben (und das auch Bill gesagt hat)!

Screenshot True Blood 7: Alcide als guter Werwolf

Screenshot True Blood 7: Alcide als guter Werwolf

Aber so ist das halt, im Leben und in True Blood besonders. Sookie und die anderen Übriggebliebenen haben aber keine Zeit, sich in Trauer zu ergehen, sie müssen schleunigst Arlene befreien, die noch immer in Gewalt der Hep-V-Monster-Vampire ist. Über Holly, die fliehen konnte, als sie von den Hep-V-Vampiren als Köder für die anderen Menschen benutzt wurde, findet Gedankenleserin Sookie heraus, dass die Gefangenen sich im Fangtasia befinden. Gemeinsam mit den verbündeten guten Vampiren wird die Befreiung geplant und umgesetzt – günstigerweise tauchen Pam und Eric gerade rechtzeitig wieder auf, um zu helfen.

Screenshot True Blood 7: Alcide stirbt

Screenshot True Blood 7: Alcide stirbt

Eric (wie immer grandios: Alexander Skarsgård) ist seit der zweiten Folge wieder dabei, allerdings erst im Vorspann in einer Fantasie von Sookies sexbesessenem Bruder Jason, der mit der rigorosen Monogamie seiner katholischen Vampirfreundin Violet offenbar nicht so richtig glücklich ist. Auf jeden Fall ist die Liebesszene zwischen Jason und Eric nach dem völlig Eric-losen ersten Teil eine Entschädigung und ein Versprechen, das später tatsächlich eingelöst wird – am Ende der Folge findet Pam ihren Schöpfer tatsächlich – auch wenn dieser schon schwach und von Krankheit gezeichnet ist: Eric ist zwar nicht verbrannt, aber er hat sich mit Hep V infiziert. Er wird also sterben, aber hoffentlich nicht so bald.

Screenshot True Blood 7: Sookie kriegt mal wieder alles ab.

Screenshot True Blood 7: Sookie kriegt mal wieder alles ab.

Denn die Höhepunkte der Folgen drei bis fünf sind zu weiten Teilen dem Team Pam-Eric zu verdanken – die beiden arbeiten ihre gemeinsame Vergangenheit auf. In True Blood waren Zeitsprünge auch vorher schon beliebt, jetzt wird dieses Mittel ziemlich exzessiv genutzt, damit Eric noch im Spiel bleibt, aber das verzeihen alle Eric-Fans natürlich gern. Und Kristin Bauer van Straten als Pam ist natürlich auch klasse – sie ist ihrem Macher durchaus ebenbürtig. Und gibt es herrliche Ausflüge in die 80er und 90er Jahre – der Eric der 80er Jahre lebt natürlich wie Gott in Frankreich und trotzt dort auch der Autorität, in dem er bei seiner süßen französischen Freundin bleiben will, statt in das True-Blood-Business einzusteigen. Aber auch die lesbische Pam scheint dort auf ihre Kosten zu kommen. Eric macht sich sehr gut als Alain Delon, muss aber am Ende die süße Freundin für Pam opfern.

Screenshot True Blood 7: Ginger kennt sich erstaunlich gut aus mit Vampirfilmen...

Screenshot True Blood 7: Ginger kennt sich erstaunlich gut aus mit Vampirfilmen…


In der Folge darauf erfahren wir, wie das Fangtasia entstanden ist – es war eine Videothek, die Pam und Eric übernehmen müssen. Eric wird in Shreveport zum Sheriff ernannt – die Autorität traut dem alten Schweden nicht und will ihn an der kurzen Leine halten. Eric und Pam als Videotheken-Betreiber – ebenfalls totkomisch! Die Idee fürs Fangtasia klaut Pam allerdings von ihrem Groupie Ginger, einer Auskennerin in Sachen Vampirfilm, die für die Tagesschicht angeheuert wird. Eric nimmt Pams spätes Geständnis, dass Ginger und nicht sie das Fangtasia erfunden hat, mit einem wohlwollenden Grinsen entgegen – er ist augenscheinlich stolz auf sein durchtriebenes Geschöpf.

Screenshot True Blood 7: Endlich wieder vereint - Eric, Sookie und Bill.

Screenshot True Blood 7: Endlich wieder vereint – Eric, Sookie und Bill.

Von Sookie und Bill gibt es leider nicht so viel Lustiges zu berichten, aber die beiden hatten bekanntlich schon immer eine schwierige Beziehung. Es gibt auch einige Ausflüge in Bills Vergangenheit als Südstaaten-Offizier – einer davon ist namensgebend für die 5. Folge Lost Cause – Bill galt nämlich als Verräter, weil er fand, dass seine Seite für eine verlorene Sache kämpfte. Entsprechend sehen wir auch einen Bill, der schwarzen Sklaven und ihren weißen Freunden bei der Flucht hilft. Und irgendwie ist er ja noch immer so drauf, zumindest jetzt wieder, nach seiner Exkursion in die Allmächtigkeit. Jetzt ist er wieder so normal, dass er nicht mal mehr Sookies Gedanken lesen kann – er war am Ende der 6. Staffel so leer getrunken, dass Sookies Blut nicht mehr wirkt. Das findet Sookie gut, hält sie aber nicht davon ab, sich Bill gleich wieder als Mittagessen vor der großen Schlacht anzubieten – denn er braucht ja Energie, wenn er ihr helfen soll. Und Bill ist natürlich vernünftig und beißt zu.

Screenshot True Blood 7: Bill isst vernünftig.

Screenshot True Blood 7: Bill isst vernünftig.

Ein ähnliches Dilemma durchlebt Jessica, die noch immer von Schuldgefühlen zerfressen wird, weil sie Adilyns drei Feenschwestern leergetrunken hat. Aber sowohl Sookie, als auch Lafayette – der natürlich auch wieder in Hochform ist und gleich was mit Jessicas Vampirfreud anfängt, was Jessica natürlich gar nicht lustig findet, und schließlich Andy, der gar nicht mehr idiotische Sheriff, der sich inzwischen zu zupackenden Pragmatiker gemausert hat, überreden Jessica, endlich wieder ein bisschen Blut zu trinken, damit sie einsatzfähig ist. Denn für den Kampf mit dem Bösen, da braucht es jede Kraft, und gutwillige Halbböse sind total willkommen. Am Ende geht auch der Kampf im Fangtasia gerade so gut aus – mit zahlreichen Opfern natürlich, aber hauptsächlich auf der Hep-V-Seite.

Screenshot True Blood 7: Lafayette kümmert sich um Jessicas Vampirfreund. Oder umgekehrt.

Screenshot True Blood 7: Lafayette kümmert sich um Jessicas Vampirfreund. Oder umgekehrt.

In Lost Cause wird dann eine Art Beerdigungs- und Gedenk-Party in Sookies Haus gefeiert, die einen großen Teil der Handlung einnimmt – dieses Kleine-Gemeinden-Ding mit von wegen alle müssen zusammen halten hat für mich als Stadtbewohner schon etwas Befremdliches, das mich gleichzeitig fasziniert. Es ist ein bisschen so wie in dem Dorf meiner Großeltern, die aus einem wirklich kleinen Ort kamen, wo auch jeder jeden kannte und eine Beerdigung war dann eine Feier, bei der buchstäblich das ganze Dorf zusammen kam. Und nachdem dann alle am Grab ordentlich getrauert hatten, ging es zum Leichenschmaus – und dort gab es dann natürlich keine Leichen, aber Trösterwecken, ein sehr leckeres Hefegebäck, das ich als Kind geliebt habe. Daran habe ich mich dann immer überfressen. Dazu gab es Kaffee und später Schnaps und Bier für die Erwachsenen. Und irgendwann war es gar nicht mehr traurig. Genau das ist ja auch Sinn und Zweck einer Trauerfeier – dass sich die Lebenden darauf besinnen, dass sie noch am Leben sind.

Screenshot True Blood 7: Pam und Eric besichtigen die Videothek, die sie übernehmen.

Screenshot True Blood 7: Pam und Eric besichtigen die Videothek, die sie übernehmen.

Aber das Beerdigungs-Thema ist ja ohnehin eine Spezialität von Alan Ball, der True Blood überhaupt erfunden hat. Ich muss zugeben, dass ich mich erst für True Blood zu interessieren begann, als ich las, dass die Idee dazu von Alan Ball kam. Ball ist ja auch Erfinder der genialen Serie Six Feet Under (Gestorben wird immer), die ich absolut großartig finde. Six Feet Under ist allerdings eine realistische Familienserie ohne Fantasy-Elemente, aber mit durchaus skurrilem Humor, weshalb ich neugierig war, was dabei heraus kommt, wenn es Richtung Fantasy geht. Das muss ja nicht gut sein. Ist es oft auch nicht. Aber im Falle von True Blood sind die Realitätsbezüge unübersehbar – und genau das gibt dieser Serie auch den speziellen Kick – sie ist halt Satire.

Screenshot True Blood 7: Pam und Eric auf einer Republikaner-Party in Dallas.

Screenshot True Blood 7: Pam und Eric auf einer Republikaner-Party in Dallas.

Und deshalb wirft man sich vor Lachen auch weg, wenn Pam und Eric angemessen gekleidet in Dallas auf einer Republikaner-Party erscheinen – natürlich nur, um eine längst fällige Rechnung zu begleichen. Ja, die beiden können auch Arschlöcher sein, genau wie alle anderen dort. Und natürlich kann selbst Laura Bush der verlogenen Schlampe Sarah Newlin nicht helfen – statt dessen macht Eric noch die Yakuza-Truppe platt, die ebenfalls hinter ihr her ist. Ja, das ist True Blood, wie ich es liebe. Und jetzt finde ich total schade, dass es in fünf Folgen schon wieder vorbei sein wird!

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Die Brücke und der Unsichtbare

Nein, mit dieser zweiten Staffel von der Brücke bin ich nicht wirklich zufrieden. Ja, es ist alles wieder sehr rätselhaft und komplex, aber der Drive fehlt irgendwie – und langsam gehen mir die privaten Probleme von Martin und Saga auch auf die Nerven. Natürlich gibt gerade Sagas eigenwillige Art wieder eine Menge interessanter Szenen her, der Besuch der Schwiegermama in spe samt sämtlichen Komplikationen ist allerliebst, aber das ist halt nettes Beiwerk und nichts, was die ohnehin reichlich verworrende Handlung sinnvoll weiter trägt.

Zwar haben sich die Autoren wieder allerhand ausgedacht, aber irgendwie zündet die Geschichte nicht, sie britzelt an einer langen Lunte vor sich hin, aber die vielen Windungen finde ich dann doch ziemlich ermüdend. Da hilft auch nicht, dass es jede Menge Leichen gibt, ein Chemiewerk in die Luft fliegt oder am Ende gleich eine vollbesetztes Flugzeug mit Biowaffen angegriffen wird – es reicht halt nicht, einfach von allem zu viel zu nehmen, um eine gute Serie auf den Tisch zu bringen – machmal ist weniger mehr und die Konzentration auf das Wesentliche besser als immer noch was und noch was und noch was, wo man doch eh schon übersatt von den vielen Nebensachen ist. Ist mir lange nicht passiert, dass ich bei einer Serie, wo ich mich explizit auf die nächste Staffel gefreut habe, froh war, als sie vorbei war. Normalerweise ist es traurig, wenn die Staffel schon wieder durchgesehen ist. Aber in diesem Fall ging es mir tatsächlich so: gut, dass es endlich vorbei ist.

Screenshot: Den osynlige - Gustaf Skarsgård als Untoter.

Screenshot: Den osynlige – Gustaf Skarsgård als künftiger Untoter.

Als Übersprungshandlung musste ich dann gleich noch was Skandinavisches hinterher kucken – in diesem Fall ein schwedisches Teenie-Drama aus dem Jahr 2002, das im Original Den osynlige heißt und ansonsten mit dem Titel Invisible- Gefangen im Jenseits abschreckt, obwohl es zumindest auf Anhieb gar keine deutsche Fassung von dem Film zu finden ist. Aber inzwischen bin ich ja ein Fan von schwedischen Originalfassungen mit englischen Untertiteln. Darauf gekommen bin ich, weil zum einen der jüngere Bruder von Alexander Skarsgård, Gustaf Skarsgård, die Hauptrolle spielt und zum anderen Joel Kinnaman in einer Nebenrolle zu sehen ist.

Screenshot: Den osynlige - Kalle

Screenshot: Den osynlige – der künftige Robocob im Jahr 2002 als Skinhead Kalle

Alles in allem ist die Gesichte ziemlich düster, aber nicht schlecht: Niklas (gespielt von Gustaf Skarsgård) ist ein Einzelgänger, der gut in der Schule und etwas verschroben, aber mit seiner Rolle als Schulstreber nicht unglücklich ist, so schreibt er Gedichte und bewirbt sich heimlich bei einer Schule für Autoren in London. Allerdings hat er Probleme mit seiner immer sehr um ihn besorgten alleinerziehenden Mutter, weshalb er ihr von seinen Plänen, nach England zu gehen, auch nichts verrät. Nur Peter weiß Bescheid, dessen einziger Freund Niklas ist.

Screenshot  - den osynlige: Kalle, Peter und Attis

Screenshot – den osynlige: Kalle und Attis drangsalieren Peter

Unterdessen überfällt die notorisch kriminelle Schulpsychopathin Annelie (Tuva Novotny) mit ihrem Freund ein Juweliergeschäft – ihr Freund bekommt am nächsten Tag aber kalte Füße und meldet den Raub bei der Polizei. Diese findet das Diebesgut in Annelies Spind. Annelie und ihre Schlägerclique fangen Peter ab, der ohnehin ihr Lieblingsopfer ist, und quälen ihn solange, bis er aus lauter Verzweiflung Niklas als den gesuchten Verräter nennt, weil er annimmt, das Niklas längst auf dem Weg nach London ist. Natürlich hat Peter keine Ahnung, dass Annelies Freund Marcus seine Freundin verpfiffen hat.

Screenshot: Den osynlige

Screenshot: Den osynlige

Blöderweise hat Niklas Mutter inzwischen aber heraus gefunden, was ihr Sohn vor hat und ihn dazu bewegt, bei ihr zu bleiben. Das Flugticket hat er am Abend spontan einer Zufallsbekanntschaft geschenkt. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf: Annelie, Attis (Francisco Sobrado) und Kalle (Joel Kinnaman) verfolgen Niklas und verprügeln ihn – Annelie rastet schließlich aus und tritt ihn (vermeintlich) zu Tode. Daraufhin werfen sie Niklas leblosen Körper sie in eine Grube und zwingen Peter, Niklas Sachen zu verbrennen.

Screenshot: Den osynlige - Peter hält Niklas für tot

Screenshot: Den osynlige – Peter hält Niklas für tot

Am nächsten Morgen kommt Niklas wie üblich in die Schule und muss feststellen, dass die anderen ihn nicht wahrnehmen: Sie können ihn weder hören noch sehen. Über diesen Zustand gerät er zunehmend in Verzweiflung, zumal er mitbekommt, dass seine Mutter nach ihm sucht. Er findet auch heraus, dass Annelie sich an ihm gerächt hat, weil sie glaubte, dass Niklas der Polizei den anonymen Hinweis gab.

Als Niklas vor seinem Fenster einen sterbenden Vogel beobachtet, der ihm einige Zeit auf der Schulter sitzt und wieder verschwindet, begreift er, dass er noch nicht ganz tot ist. Daraufhin versucht er, seinen Körper zu finden. Dazu nimmt er Kontakt mit Annelie auf – ausgerechnet seine Mörderin ist die Einzige, mit der er ansatzweise kommunizieren kann. Am Grab ihrer Mutter weint Annelie erstmals, aber sie kann Niklas nicht helfen, denn sie weiß nicht, wo seine Leiche ist.

Screenshot: Den osynlige - Niklas Körper ist verschwunden

Screenshot: Den osynlige – Niklas Körper ist verschwunden

Inzwischen wird Niklas von der Polizei gesucht und Peter kann nicht länger ertragen, dass sein einziger Freund seinetwegen umgebracht wurde. Er erhängt sich in seinem Zimmer. Niklas kann ihn nicht davon abhalten, aber während Peter sich im Todeskampf und somit in jeder Zwischenwelt befindet, in der Niklas gefangen ist, sagt Peter ihm, wo er sein Körper finden kann – er hat ihn bei den Schleusen versteckt. In seinem Abschiedsbrief teilt er das auch der Polizei mit. Kurz nachdem Niklas quasi wieder zu sich selbst gefunden hat, trifft auch die Polizei samt Rettungswagen ein – die Ärzte schaffen es zwar, Niklas wiederzubeleben, können ihn aber nicht retten. Im Krankenhaus erfährt Niklas Mutter, dass ihr Sohn zwar noch atmet, aber hirntot ist.

Screenshot: Den osynlige - nur Niklas Mörderin Annelie kann noch helfen.

Screenshot: Den osynlige – nur Niklas Mörderin Annelie kann noch helfen.

Inzwischen hat Annelie begriffen, dass ihr Freund Marcus der Verräter ist. Jetzt will sie sich an ihm rächen – auch dafür, dass sie einen Unschuldigen ermordet hat. Marcus versichert ihr allerdings, dass Niklas noch lebt – das hat er auf der Polizeiwache gehört. Also versucht Annelie zum Krankenhaus zu kommen, was sie schließlich mit Niklas Hilfe auch schafft, der ja ein Interesse daran hat, dass sie zu seinem Körper und seiner Mutter vordringen kann. Niklas braucht Annelie als Medium, um seiner Mutter mitzuteilen, dass sie ihn loslassen soll. Natürlich will Niklas Mutter erstmal nichts von Annelie wissen, aber als Niklas sie Dinge sagen lässt, die nur Niklas wissen kann, begreift seine Mutter, dass durch Annelie tatsächlich ihr Sohn zu ihr spricht. Sie lässt zu, dass Annelie zu Niklas geht und die lebenserhaltenden Maschinen abschaltet. Der Film endet damit, dass Annelie sich von Kommissar Larsson verhaften lässt.

Screenshot: Den osynlige - Niklas Mutter.

Screenshot: Den osynlige – Niklas Mutter.

Alles in allem fand ich das eine ganz interessante Geschichte und auch ganz ordentlich umgesetzt – auf mich hat ja die Beschreibung „Thriller mit Fantasy-Elementen“ eine eher abschreckende Wirkung, weshalb ich hier auch eher skeptisch war. Es muss nicht immer Thriller sein und Thriller mit Fantasy schon gar nicht. Aber dieses Schwedendrama mit Fantasy-Elementen ist absolut im hässlichen Diesseits verankert, was es erträglich macht.

Screenshot: Den osynlige - Niklas "Geist" und Annelie

Screenshot: Den osynlige – Niklas „Geist“ und Annelie im Krankenzimmer. Gleich wird Annelie die Maschinen abeschalten.

In einer besseren Welt

Für nicht-US-Filme gibt es bekanntlich ziemlich wenige Oscars, nämlich exakt immer nur einen pro Jahr. Insofern finde ich ziemlich spannend, dass das kleine Dänemark immer mal wieder dabei ist, zuletzt 2011 mit In einer besseren Welt, den ich inzwischen endlich auch einmal gesehen habe. Ein wirklich guter Film, keine Frage.

Es geht um Anton (Mikael Persbrandt), der ein echter Gutmensch ist, wie man in Deutschland inzwischen ja durchaus abfällig über Menschen sagt, die noch immer daran glauben, dass man die Welt durch das eigene Handeln besser machen könnte. Anton ist Arzt und arbeitet mehrere Monate im Jahr in einem afrikanischen Flüchtlingscamp in Darfur. Dort wird er immer wieder mit furchtbarsten Dingen konfrontiert, beispielsweise schlitzt einer der lokalen Warlords gern schwangeren Frauen die Bäuche auf, um nachzusehen, ob das Baby das Geschlecht gehabt hätte, auf das er gewettet hat. Anton gibt alles, um diese Frauen zu retten.

In einer besseren Welt

In einer besseren Welt – Screenshot von http://www.2501.eu/

Zu Hause in Dänemark steht seine Ehe mit Marianne (Trine Dyrholm), die ebenfalls Ärztin ist, vor dem Aus. Marianne will die Scheidung. Ihr zehnjähriger Sohn Elias (Markus Rygaard) hat aber noch ganz andere Probleme, er wird von seinen Mitschülern regelmäßig gemobbt. Dann kommt ein neuer in die Schule, Christian (William Jøhnk Nielsen), der mit seinem Vater aus London nach Dänemark zurückgekehrt ist. Christians Mutter ist gerade an Krebs gestorben und er gibt seinem Vater die Schuld daran. Christian ist einer, der sich immer wehrt, schon aus Prinzip. Als er mitbekommt, dass Elias drangsaliert wird, folgt er dem Angreifer, verprügelt ihn mit seiner Fahrradpumpe und droht ihm mit vorgehaltenem Messer noch Schlimmeres an, falls er sich wieder an Elias vergreifen sollte. Natürlich sorgt dieser Vorfall an der der dänischen Schule für große Aufregung. Gegenüber der Polizei bestreiten beide Jungs, dass ein Messer im Spiel gewesen sei. Christian schenkt Elias das Messer als Zeichen seiner Freundschaft.

Elias hat noch einen kleinen Bruder. Als Anton nach Dänemark zurückgekehrt, geht er mit den Jungs auf den Spielplatz. Der kleine Bruder streitet sich mit einem anderen Jungen, Anton greift ein. Daraufhin wird Anton vom Vater des anderen Jungen (Kim Bodnia) angegriffen, der ihm eine runterhaut, weil er seinen Sohn angefasst hat. Anton ist total auf Deeskalationskurs und zieht sich zurück, was die beiden großen Jungs nicht fassen können und als Schwäche empfinden. Anton lässt sich sogar darauf ein, diesen Lars noch einmal zu besuchen und zur Rede zu stellen, was auch wieder nicht gut aus geht, denn Lars kapiert gar nichts und haut Anton sicherheitshalber noch mal eine rein, schon weil er aus Schweden ist und den Namen Lars nicht korrekt ausspricht. Anton schafft es nicht, den Jungs klar zu machen, dass es besser ist, sich nicht provozieren zu lassen und deshalb Lars der moralische Verlierer ist. Vor allem Christian findet, dass Anton diese Schmach nicht auf sich sitzen lassen kann und beschließt stellvertretend für Anton Rache zu nehmen.

Als Christian und Elias für ein Schulprojekt in Opas Scheune basteln, finden sie eine Reihe Feuerwerkskörper. Christian kommt auf die Idee, daraus eine Bombe zu bauen. Elias hat Skrupel, lässt sich am Ende aber doch darauf ein, weil er Christians Freund beleihen möchte. Als die beiden an einem frühen Sonntagmorgen die Bombe unter Lars Auto zur Explosion bringen wollen, kommen zufällig eine Mutter mit ihrer Tochter vorbei. Elias rennt den beiden in den Weg, um sie vor der Explosion zu warnen, als die Bombe hoch geht.

Unterdessen ist Anton wieder in Afrika, wo ihn der allseits verhasste Big Man, jener sadistische Warlord, auffordert, sein Bein zu retten. Anton als Arzt akzeptiert die Forderung unter der Bedingung, dass alle Bewaffneten und alle Fahrzeuge das Lager verlassen. Bei den Opfern von Big Man stößt Antons Handeln auf Unverständnis. Sie verweigern jegliche Unterstützung für den Sadisten. Allerdings hat auch Antons Duldsamkeit Grenzen. Als der inzwischen genesende Big Man zynische Witze über eine junge Frau macht, die gerade gestorben ist, wirft Anton ihn aus dem Camp und lässt zu, dass die aufgebrachte Menge den verhasste Quälgeist lyncht.

Elias ist bei der Explosion schwer verletzt worden. Christian versucht, seinen Freund im Krankenhaus zu besuchen, aber Marianne hindert ihn daran. Sie hat Angst um ihren Sohn und ist wütend. Sie beschimpft Christian als kranken Psychopathen, der ihren Sohn umgebracht habe. Christian glaubt daraufhin, dass Elias gestorben sei und beschließt, sich selbst ebenfalls umzubringen. Er fährt zu dem Silo, zu dem er Elias immer mitgenommen hat. Inzwischen ist Anton wieder in Dänemark angekommen, um seinen Sohn zu sehen. Er erfährt zum einen, dass Elias wieder gesund wird, zum anderen, dass Christian verschwunden ist. Er ahnt, wo der Junge ist, weil er Elias zuvor verboten hat, auf das hohe Silo zu klettern. Er kommt gerade noch rechtzeitig, um Christian daran zu hindern, in den Tod zu springen.

Meiner Ansicht nach hat der Film zu recht viele positive Kritiken bekommen – es handelt sich um ein überzeugend konstruiertes Drama über Gewalt, Freundschaft, Rache und Tod, das in schönen Bildern erzählt wird – die Bilder sind im Grunde immer wieder viel zu schön für die hässlichen Dinge, die passieren. Aber genau das ist es ja, was einen so rat- und fassungslos und den Film für mich so gelungen macht: Dass das Leben und diese Welt trotz der ganzen schrecklichen Dinge, die passieren, immer noch schön sein können. Und dass es für vieles keine befriedigende Erklärung gibt. Menschen treffen falsche Entscheidungen, die verhängnisvolle Entwicklungen auslösen, manchmal aber auch richtige. Menschen tun einander die schrecklichsten Dinge an, aber manchmal retten sie einander auch. Und nicht immer führt eine gute Absicht zum Guten, aber es kommt drauf an, es wenigstens versucht zu haben.

Breaking Bad – ein würdiges Finale für Walter White

Die beste Serie der Welt ist leider nun Geschichte – aber was für eine! Was für ein Finale! Natürlich war klar, dass diese Geschichte einer Hybris nicht gut enden konnte. Walter White, der bis fast zum Schluss an seiner Ausrede festgehalten hatte, alles – die ganzen Verbrechen, die seinen Weg zum abgefeimtesten Drogenboss in ganz Südwest (USA versteht sich) begleitet haben, inklusive – nur für seine Familie getan zu haben, gibt endlich zu, dass er es für sich getan hat. Weil er es konnte. Weil er gut darin war. Weil es ihm Spaß gemacht hat. Und weil er sich dadurch noch mal so richtig lebendig gefühlt hat.

Und weil er intelligent und realistisch ist, weiß er, dass nun wirklich alles zuende geht. Am Anfang der letzten Staffel gab es noch kurz den Anschein, dass die Whites mit ihrer Lebenslüge durchkommen könnten: Gemeinsam hatten Skyler und Walt eine Story über Walts angebliche Spielsucht ersonnen und damit erklärt, woher plötzlich das viele Geld kam. Ehefrau Skyler war zwar keineswegs glücklich über die kriminellen Aktivitäten ihres Partners, stellte sich dann aber als sehr kreativ und handfest im Erschaffen einer bürgerlichen Tarnung heraus, in dem sie den ehemaligen Arbeitgeber ihres Mannes mit erheblicher krimineller Energie zum Verkauf seiner Auto-Waschanlage brachte, die nun auch als Geld-Waschanlage fungieren sollte.

Überhaupt hatte sich Skyler nach langen Kämpfen wieder auf Walt eingelassen, nachdem Walt seinen mächtigen Gegenspieler, den Drogen-Oberboss Gus Frings aus dem Weg räumen konnte und somit davon ausgegangen war, dass er nun einfach aussteigen könne. Aber das mit dem Aussteigen ist nicht so einfach, wenn man bis über beide Ohren in einem Sumpf von Verbrechen steckt und dann auch noch aus Eitelkeit Fehler macht, die aufmerksame Ermittler aus dem Familienkreis nicht ignorieren können. Die Whites hatten gerade damit angefangen, ihr neues Leben als Betreiber einer gut gehenden Waschstraße zu genießen, als Schwager Hank einen entscheidenden Hinweis entdeckt, dass Walt der legendäre Heisenberg ist, den die DEA schon so lange vergeblich sucht.

Jetzt beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Hank und Walt, die jeweils aus Rücksicht auf die Familie, zu der sie beide nun einmal gehören, nicht mit der Härte durchgreifen können oder wollen, die sie in ihren jeweiligen Jobs sonst an den Tag legen. Die grausame Pointe in diesem Duell ist, dass ausgerechnet die Nazi-Bande, mit der Walt eigentlich nichts zu tun haben will, deren einschlägige Dienste als professionelle Killer er aber immer wieder in Anspruch nimmt, den Kampf schließlich zu Walts Gunsten entscheidet, indem sie Hank und seinen Vertrauten Steve Gomez erschießen. Der Preis dafür ist allerdings hoch: Walt muss ihnen fast sein komplettes Drogenvermögen überlassen, um das eigene Leben zu retten.

Mit Hanks Tod haben aber auch die ganzen Familien-Sentimentalitäten ein Ende: Sohn Walter jun. realisiert, dass sein Vater der Mörder seines Onkels Hank sein muss (auch wenn das technisch nicht der Fall ist, wie Walter sen. vergeblich zu erklären versucht) und wendet sich angewidert von seinem Vater ab. Skyler ist nun endgültig mit ihrem Mann fertig. In einer Kurzschlussreaktion entführt Walt seine kleine Tochter Holly, weil ihm sonst niemand mehr geblieben ist, kommt aber relativ schnell wieder zur Vernunft – was soll ein todgeweihter Mann wie er mit einem kleinen Kind, das nach seiner Mama weint?

Er lässt Holly, versehen mit ihrem Namen und der Adresse ihrer Mutter, an einer Feuerwache zurück und verschwindet nach New Hampshire, wo er, mit einer neuen Identität versehen, nach Wegen sucht, seiner Familie den Rest seines Vermögens zukommen zu lassen, der ihm noch geblieben ist. Wenn ihm das nicht gelingt, wäre alles vergeblich gewesen – aber sein Sohn macht ihm noch einmal klar, dass seine Familie sein schmutziges Drogengeld nicht haben will. Auch wenn Skyler das gemeinsame Haus verliert und sich und die Kinder mehr schlecht als recht von einem Teilzeitjob in einer Taxizentrale durchbringen muss.

Schließlich bricht Walt zu einem letzten Feldzug auf. Er hat Skyler bereits mit einem Telefonanruf, in dem er indirekt die Verantwortung für sämtliche kriminellen Aktivitäten übernommen hat, entlastet. Jetzt spannt er seine ehemaligen Geschäftspartner Gretchen und Elliot Shwartz ein, um seiner Familie doch noch eine erhebliche Summe zukommen zu lassen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die beiden erfolgreichen Geschäftsleute und Wohltäter den Rest ihres Lebens in ständiger Angst verbringen werden. Dann räumt er mit der Nazibande auf und verwendet sein einst für Gus Frings vorgesehenes Rizin, um mit Lydia Rodarte-Quayle eine einflussreiche Mitwisserin aus dem Weg zu räumen. Seinen ehemaligen Partner Jesse Pinkman lässt er davon kommen, auch wenn der sich weigert, Walt die ersehnte finale Kugel zu verpassen. Der durch einen Querschläger verwundete Walt verblutet schließlich im Methlabor der Arischen Bruderschaft – ein vorhersehbarer Tod, der am Ende noch besser ist, als das allmähliche Krepieren an Krebs, das Walter andernfalls bevorgestanden hätte.