Daybreakers: Fast ganz großes Kino

In Sachen Vampirfilm hat sich in den vergangenen Jahren eine Menge getan, und vieles davon ist einfach nicht gut – etwa die Twilight-Filme, die letztlich ja nur die bombastische Bebilderung einer sehr amerikanischen Teenie-Romanze sind (Sex ist nicht, zumindest nicht vor der Ehe). Wobei ich finde, dass Robert Pattinson (der den Vampir Edward Cullen spielt) eigentlich ein guter Schauspieler ist. In dem BBC-Grusel-Drama The Haunted Airman spielt der noch sehr junge Pattinson einen ebenfalls sehr jungen RAF-Kampfpiloten im 2. Weltkrieg, der den Abschuss seiner Maschine als Krüppel überlebt und sich während seiner Reha, wie man heute sagen würde, in seine schöne Tante verliebt. Die aber lieber was mit seinem Arzt anfängt. Was man ja auch verstehen kann – Toby Jugg sieht zwar aus wie Robert Pattinson und ist ein Kriegsheld, aber eben auch ein Krüppel. Und er ist viel zu jung für Julie – ich sehen schon, das wäre eine eigene Kritik wert. Kommt noch!

So viel vorab: The Haunted Airman ist ein echter Geheimtipp für alle Freunde des mysteriösen britischen Kammerspiels mit faszinierenden Schauspielern – wegen Robert Pattinson hab ich mir dann überhaupt Twilight angesehen, zumindest den ersten Teil davon. Das hat mir dann aber auch gleich wieder gereicht.

Screenhot Daybreakers

Screenhot Daybreakers, USA 2009

Screenshot Daybreakers, USA 2009

Screenshot Daybreakers, USA 2009

Doch jetzt zur Hauptsache: Einer der neueren Vampir-Filme, die sich meiner Ansicht nach durchaus zu sehen lohnen, ist der australisch-amerikanische Streifen Daybreakers. Drehbuch und Regie übernahmen die in Deutschland geborenen, aber in Australien aufgewachsenen Brüder Spierig. Peter und Michael Spierig verdienen ihr Geld in erster Linie als Werbefilmer, haben aber auch einen Faible für das Horror-Genre – und sie haben in dem Bereich schon einige Filme gedreht.

Daybreakers ist der zweite ernsthafte Film der beiden, der mit einem Budget von 20 Millionen US-Dollar gedreht wurde und mehr als 65 Millionen eingespielt hat. Also durchaus ein kommerzieller Erfolg – wobei der Film in Deutschland erst gar nicht im Kino gelaufen ist. Warum auch immer. Vampirfilme für Erwachsene werden dem deutschen Publikum nicht mehr zugemutet, die sollen sich lieber den Teenie-Kram reinziehen.

Screenshot Daybreakers, USA 2009

Screenshot Daybreakers, USA 2009

Für Daybreakers haben die Spierigs nicht nur das Drehbuch geschrieben und Regie geführt – sie waren auch für einen Teil der Special Effects zuständig – von denen es eine Menge gibt, wie es sich für einen Vampirfilm gehört. Daybreakers ist also ein echter Autorenfilm, was ich ja prinzipiell auch oft gut finde.

Aber in diesem Fall ist es aber leider so, dass das dem Film nicht gut getan hat – denn das Drehbuch hat einfach eklatante Schwächen. Was die Spierig-Brüder offenbar auch gemerkt haben und diese Schwächen deshalb mit visueller Überwältigung ausbügeln wollten. Und das finde ich einfach nicht gut. Wobei ich ja durchaus eine Augenmensch bin, ich kann eine gekonnte ästhetische Umsetzung von was auch immer erkennen und als solche schätzen.

Screenhot Daybreakers, USA 2009

Screenhot Daybreakers, USA 2009

Aber das nützt den Filmemachern halt nicht so richtig, wenn sie nicht wissen, was sie sagen wollen. Und das ist schlimm. Oder wenn das, was sie zu sagen wollen, letztlich scheiße ist. Was schlimmer ist. Und dafür gibt es durchaus prominente Beispiele: Daybreakers hat mich sehr an Fritz Lang und seinen Klassiker Metropolis erinnert.

Screenhot Daybreakers, USA 2009

Screenhot Daybreakers, USA 2009

In Daybreakers gibt es eine ganze Reihe Bilder, die wirklich sehr an Metropolis erinnern, und genau wie schon in Metropolis sieht man den politischen Anspruch, der große und wichtige Fragen aufwirft – was ja eigentlich super ist. Die aber dann erstaunlich naiv und unbefriedigend beantwortet werden. Oder eigentlich gar nicht. In Metrolpolis wird die Entfremdung in der Arbeitswelt durchaus thematisiert. Und was die Arbeiter für eine Scheißleben haben. „Es muss immer ein Mensch an der Machine sein!“ Und wir sehen einen Arbeiter, der ganz Untertan der Maschine ist und sich ihr völlig unterwerfen muss, die Maschine gibt den Takt vor. Wir sehen auch uniforme Arbeiter-Züge, die im Gleichschritt zur Arbeit marschieren, wir sehen sogar ganze Züge von Arbeitern, die der Maschine und ihren Herren – was die Eigentümer der Maschine sind, die sich auf Kosten der Arbeiter ein schönes Leben machen können. Aber letztlich analysiert und kritisiert Fritz Lang mit seinem Film diese Verhältnisse nicht. Im Gegenteil: Letztlich sagt er, dass es schon okay geht, wenn die da oben die da unten ausbeuten – aber sie sollten halt ein bisschen netter zu den Arbeitern sein. Deshalb soll auch Freder, der Sohn des Kapitalisten Joh Fredersen, das Herz sein, das zwischen denen „da oben“ – dem Hirn – und denen „da unten“ – der Hand – vermittelt. Als ob alles irgendwie nur ein Kommunikationsproblem wäre – was nun absolut Unsinn ist. Auch wenn das heute noch genau so dargestellt wird: Alles nur ein Kommunikationsproblem, die Gesellschaft die ist eigentlich ganz prima eingerichtet. Wir sitzen doch alle im selben Boot. Schon klar. Aber nur „die da oben“ haben Rettungswesten.

Screenhot Daybreakers, USA 2009

Screenhot Daybreakers, USA 2009

Metropolis ist also ein reaktionärer und keineswegs revolutionärer Film, auch wenn das immer wieder behauptet wird. Aber die filmische Umsetzung ist grandios – was um so ärgerlicher macht, was da für ein Scheiß erzählt wird. Und genau wie ich mich über Metropolis ärgere, denn den Film finde ich von der Ästhetik her wirklich beeindruckend (für die damalige Zeit wohlgemerkt) – ärgere ich mich über Daybreakers. Wobei das jetzt auch schon wieder gemein ist, denn es geht hier nicht um reaktionären Scheiß, sondern schlicht darum, dass den Drehbuchschreibern bei entscheidenden Wendungen einfach die guten Ideen gefehlt haben.

Screenhot Daybreakers, USA 2009

Screenhot Daybreakers, USA 2009

Der Film ist so gut gemacht, dass er die schwache Story dahinter echt nicht verdient hat. Ausstattung, Stimmung, Bilder – großartig. Und mit Ethan Hawke, Willem Dafoe, Sam Neill, Claudia Karvan und Michael Dorman sind auch hochkarätige Schauspieler dabei. Im Prinzip ist die Story auch gar nicht schlecht: Im Jahr 2019 wird die Erde von Vampiren beherrscht. Die verbliebenen Menschen sind in dramatischer Unterzahl – das ist schlecht für die Vampire, weil sie sich ja von Menschenblut ernähren. Die meisten Menschen werden matrixmäßig in Farmen gehalten, wo sie künstlich ernährt werden und ihnen gleichzeitig Blut abzapft.

Die entsprechenden Bilder erinnern auch sehr an Matrix – und an anklagende Bilder aus etwa aus Hühnerfarmen, wo fast kahle Hühner in zu kleinen Käfigen im Akkord Eier legen müssen, bis sie als Suppenhuhn im Kochtopf landen. Käfighaltung ist Menschenquälerei, das findet auch der Hämatologe Edward Dalton (Ethan Hawke) , der zwar ebenfalls Vampir ist, sich aber aus Überzeugung schon seit längerer Zeit vegan ernährt. Was fatale Nebenwirkungen hat: Wenn ein Vampir zu lange kein echtes Blut mehr konsumiert hat, wird er zum Subsider.

Screenhot Daybreakers, USA 2009

Screenhot Daybreakers, USA 2009

Das sind entartete Vampire, deren Aussehen immer mehr dem von Fledermäusen ähnelt und sie werden sehr aggressiv. Subsiders sind die Paria der Vampir-Socienty, es sind die Verlierer, die sich kein echtes Blut mehr leisten können und ihre adlige Vampir-Identität nach und nach verlieren. Auch hier haben wir wieder eine durchaus gelungene Analogie auf die menschliche Gesellschaft, die ihre Verlierer ebenfalls ausgrenzt und kriminalisiert, obwohl die Betroffenen ja eigentlich gar nichts dafür können.

Screenhot Daybreakers, USA 2009

Screenhot Daybreakers, USA 2009 – Edward (Ethan Hawke)

Edward stellt durch seinen Blutverzicht langsam erste Anzeichen von Subsiderismus an sich fest, seine Ohren verformen sich (das wird Spock nicht erfreuen). Seine große Hoffnung, endlich einen Blutersatzstoff gefunden zu haben, zerschlägt sich, als die Versuchsperson nach kurzer Zeit förmlich explodiert – das ist wie True Blood ohne True Blood. Durch einen Autounfall trifft Edward auf echte Menschen – die er vor der Verfolgung durch Vampir-Milizen rettet.

Screenshot Daybreakers, USA 2009 - Lionel Cormac (Willem Dafoe)

Screenshot Daybreakers, USA 2009 – Lionel Cormac (Willem Dafoe)

Mit Edwards Entschluss, den Menschen zu helfen, wird er zum Verräter an der Vampirgesellschaft. Aber Edward ist entschlossen, das durchzuziehen. Dumm nur, dass sein kleiner Bruder Frankie da ganz anderer Ansicht ist. Der ist nämlich stolz drauf, ein Vampir zu sein.

Die menschlichen Widerständler, allen voran ihre Anführerin Audrey Bennett (Claudia Karvan), machen Edward mit Lionel Cormac (Willem Dafoe) bekannt, der auch mal ein Vampir war, aber jetzt auf der Seite der Menschen kämpft, nachdem er zufällig entdeckt hat, wie ein Vampir wieder menschlich werden kann. Und da geht es schon los: Durch ein unfreiwilliges Sonnenbad, was den Vampir fest verbrannt hat, ist er wieder Mensch geworden – es ist halt alles eine Frage der richtigen Dosis. So richtig überzeugt mich dieses Heilmittel nicht – aber Edward probiert es in einem kontrollierten Experiment mit durch einen Spiegel umgeleitetes Sonnenlicht und stirbt dabei wie geplant fast – aber sein Herz beginnt wieder zu schlagen. Er wird wieder Mensch.

Screenshot Daybreakers, USA 2009 - Frankie Dalton (Michael Dorman) und Audrey (Claudia Karvan)

Screenshot Daybreakers, USA 2009 – Frankie Dalton (Michael Dorman) und Audrey (Claudia Karvan)

Tja, und dann geht es den Menschen auch gleich an den Kragen, denn die Vampire haben ihren geheimen Stützpunkt entdeckt und das große Schlachten beginnt – im Grunde erstaunlich, was ein Film mit einem vergleichsweise kleinen Budget dann doch an Leichenteilen und Blutströmen her gibt. Und es ist ja auch nicht so, dass ich was gegen Action und Gewalt hätte, das stört mich nicht, im Gegenteil. Aber irgendwie vergisst der Film über die ganze Action, was er eigentlich wollte – da war doch mal was, irgendwie, am Anfang.

Und irgendwann ist es halt vorbei – und das ist dann auch okay. Aber schade ist es doch – ein paar bessere Ideen hätten der Geschichte wirklich gut getan – dann wäre Daybreakers ein grandioser Vampir-Film geworden. So ist er halt nur fast ganz großes Kino. Aber immerhin.

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True Blood: Vampire und andere Blutsauger

Tatsächlich bin ich eine geprüfte Expertin für Vampirfilme. In meinem Medienstudium hatten wir so wunderbare Fächer wie Geschichte des deutschen Films, Filmanalyse, Fernsehanalyse, die Mediengeschichte von Sujets und Filmstoffen und so weiter – da konnte man sich für die Diplomprüfungen natürlich auch wunderbare Themen aussuchen. Für die Prüfung in Mediengeschichte von Sujets und Filmstoffen kam ich auf den Vampirfilm. Das war Anfang der 1990er Jahre noch ein vergleichsweise übersichtliches Genre – was einer der Gründe war, warum ich mich dafür entschied. Bram Stoker’s Dracula war damals gerade aktuell, und was es vorher gab konnte man mit übersichtlichem Aufwand sichten und noch mal ansehen – das war ja das Beste daran: Das man sich beim Fernsehen, Videogucken oder ins Kino gehen immer sagen konnte „ist relevant für die Uni“. Das ist es jetzt zwar nicht mehr, aber noch immer sehe ich aus wissenschaftlichem Interesse Vampirfilme an.

Es gab durchaus noch einige durchaus interessante Filme in diesem Bereich, etwa Interview mit einem Vampir oder From Dusk Till Dawn. Und ich muss zugeben, dass ich mir sogar Wir sind die Nacht angesehen habe, den ich gar nicht so schlimm fand wie befürchtet – obwohl das ja ein deutscher Film ist und es mit dem deutschen Film ja leider ist wie mit dem deutschen Fernsehen – das war früher echt mal besser. Inzwischen gibt da nicht mehr viel Gutes – da muss man sich ja nur mal die aktuellen Tatorte ansehen, selbst die, die im Vorfeld hochgelobt werden, wie der Bremer Tatort vom vorletzten Sonntag, sind nicht wirklich gut. Es werden keine originellen Ideen mehr entwickelt und erst recht keine innovativen Inszenierungen. Es gibt nur noch Massenware von der Stange – und selbst die könnte besser gemacht werden.

Es reicht halt nicht, mal „mutig“ zu sein, und ein Thema aufzugreifen, das unangenehm ist, wie die Tatsache, dass es tatsächlich kriminelle Ausländer gibt, die sich nicht integrieren wollen und sich über die deutschen Gesetze kaputtlachen – die sie aber sehr gut kennen und für sich nutzen können. Und dass Polizei und Justiz damit überfordert sind. Aber am Ende ist das Systemversagen wieder ein persönliches Ding und man fragt sich, warum man die letzten eineinhalb Stunden nichts Besseres zu tun bzw. zu sehen hatte. Wo sind die Filme, wie etwa Rainer Werner Fassbinder, Volker Schlöndorff oder Werner Herzog sie gemacht hätten?! Es ist ja nicht so, dass es hierzulande keine großartige Filmtradition geben würde! Um so trauriger, dass abgesehen von wenigen Ausnahmen, nur noch Schweiger-Schweighöfer-Schrott und Schlimmeres produziert wird.

Zurück zum Vampirfilm: Durch diese schreckliche Twilight-Serie ist das ganze Genre ja in den Bereich zweifelhafter Teenie-Bespaßung abgedriftet. Seit dem herrscht im Vampirfilm-Bereich eine galoppierende Inflation, und das meiste davon ist Mist. Deshalb ist auch die Serie True Blood bisher an mir vorbei gegangen – ich hatte sie versehentlich unter „noch so eine blöde Vampir-Serie, die ich mir nicht ansehen muss“ verbucht.

True Blood - die wichtigsten Charaktere. Screenshot von hob.com

True Blood – die wichtigsten Charaktere. Screenshot von hbo.com

Bis mir auffiel, dass True Blood ja von Alan Ball geschrieben wurde, von dem auch die großartige Serie Six Feet Under ist. Und als ich auch noch feststellte, dass mit Alexander Skarsgård ein gut aussehender Quotenschwede dabei ist, wurde ich dann doch so neugierig, dass ich mal reingesehen habe. Und ich bin gleich dabei hängen geblieben – und musste mir die erste Staffel quasi am Stück reinziehen. Vieles erinnert mich durchaus an Six Feet Under – es geht halt letztlich alles um menschliche Beziehungen verschiedenster Art, um Sex, um Tod und darum, wie Menschen damit umgehen.

Außerdem: Bei True Blood handelt es sich endlich einmal um eine Frauenserie – unter meinen Lieblingsserien gibt es nicht viele davon, woran das auch immer liegen mag. Viele Serien, die ich gut finde, sind Männerserien, True Detektive ist eine Männerserie, Breaking Bad ist eine Männerserie, Sopranos, The Wire, Boardwalk Empire, Lilyhammer und so weiter – alles Männerserien, auch wenn da natürlich schon Frauen drin vor kommen. Six Feet Under ist beides, in der Tendenz aber eher eine Frauenserie, und das gilt eben auch für True Blood: Viele interessante weibliche Charaktere und dazu viele gut aussehende Männer – Stephen Moyer, Sam Trammell, Ryan Kwanten, Nelsan Ellis, um nur einige zu nennen, und Anna Paquin hat die sexyste Zahnlücke seit Vanessa Paradis und Rutina Wesley und Deborah Ann Woll sind auch ganz toll. Wobei ich natürlich weiß, dass es jede Menge ausgewiesener Frauenserien gibt, etwa dieses ganze Sex-and-the-City-Zeug. Aber die sind mir dann doch zu – blöd. Ich habe versucht, ein paar Folgen davon zu sehen, weil diese Serie ja ohne Ende gelobt wurde. Aber ich habe nicht heraus gefunden, warum.

Also True Blood: Hauptperson ist die Kellnerin Sookie Stackhouse, die Gedanken lesen kann – was meistens ziemlich unangenehm ist,weil Menschen ihre wahren Gedanken ja lieber für sich behalten, weil sie so schlimm sind. Insofern ist Sookie mit dieser Gabe meistens nicht sehr glücklich, zumal sie vehement an das Gute in den Menschen glauben will. Durch ihr mysteriöses Einfühlungsvermögen ist sie vielen der Einwohner von Bon Temps (einem verschlafenen Provinznest in Louisiana) unheimlich, sie ist eine Außenseiterin, genau wie ihr drogen- und sexbessener Bruder Jason. Der allerdings keine Gedanken lesen kann und auch sonst ein ziemlicher Trottel ist, dafür aber gut aussieht, weshalb er immer wieder schöne Frauen abschleppen kann. Die dann irgendwann tot aufgefunden werden.

True Blood ist eine neue Erfindung, synthetisches Blut, das echtes ersetzen kann – dadurch ist es Vampiren endlich möglich, offen in der Gesellschaft aufzutreten, weil sie nicht mehr auf mehr oder weniger freiwillige menschliche Blutspender angewiesen sind. Natürlich sind nicht alle Vampire bereit, ihre Lebensgewohnheiten entsprechend umzustellen, aber in Bon Temps taucht mit Bill Compton jedenfalls der erste Vampir auf, der dank True Blood endlich ein ganz normales, bürgerliches Leben führen will. Das stellt die Toleranz der Bewohner von Bon Temps auf eine harte Probe, denn viele Menschen wollen weiterhin nichts mit den unheimlichen Blutsaugern zu tun haben. Also finden sich auch hier wieder Rassisten zusammen, die Andersartige mit allen Mitteln bekämpfen wollen – jetzt sind es halt nicht Schwarze oder Schwule, sondern Vampire. Wobei Schwarze und Schwule natürlich auch weiterhin diskriminiert werden, nur weniger offen. Mit Lafayette gibt es auch einen schwarzen schwulen Transvestiten, der nicht nur der coolste Typ in Bon Temps ist, sondern auch ein Drogenhändler, der mit V dealt – Vampirblut. Das ist die abgefahrenste Droge überhaupt. Deshalb gibt es auch Menschen, die Jagd auf Vampire machen, um ihnen Blut abzuzapfen.

Im Laufe der Serie stellt sich heraus, dass es auch unter den Vampiren knallharte Businesstypen wie Eric Northman gibt, die nicht nur schräge Nachtclubs führen, in denen Menschen sich Vampiren freiwillig als Blutspender anbieten können, sondern auch Geschäfte mit dem Blut ihrer Artgenossen machen – ein Sakrileg, das selbstverständlich hart bestraft werden muss. Überhaupt herrscht unter den Vampiren keineswegs Einigkeit, die sind zum Teil jahrtausendealte Egomanen, die auf merkwürdige Traditionen bestehen und dem modernen Leben wenig abgewinnen können, während andere den kapitalistischen Lifestyle durchaus vorteilhaft für sich anwenden können.

Auch sonst wird alles Mögliche auf die Schippe genommen, es gibt Voodoo- und Exorzismus-Rituale, fanatische Anhänger christlicher Sekten, einen schlauen Sheriff und seinen idiotischen Deputy, der in den kommenden Staffeln aber auch noch zu Hochform auflaufen darf, Gestaltwandler, Mänaden und Werwölfe – überhaupt macht die Serie immer wieder Ausflüge in andere Epochen, was ich als Liebhaberin von Ausstattungsfilmen durchaus schätze, Bill Compton macht sich auch als Schnulzensänger der 20er Jahre ganz fantastisch und dem schnittigen Eric steht die SS-Uniform nicht weniger gut als der Umhang und die lange blonde Mähne als Wikingerfürst. Dazu jede Menge Sex, Drogen und Gewalt – also alles, was Spaß macht, wie die Mänade Maryann sagen würde.

Alles in allem also eine super Serie – spannend, witzig, romantisch, unterhaltsam, alles was die typische deutsche Fernsehserie also nicht ist. Lohnt sich auf jeden Fall.